Erstbesteigung

Nordwand

Falkenturm

Spannort, 3198 m

Herrlichster Gipfel des Tales, du zwiefach getürmter, mächtig gegründet im breiten Gefüge des grauen Gesteins. Kraftvoll gegliedert mit Schatten und Lichtern zur Höhe strebend. Gotisch verjüngend die Bauten der prächtig sich zackenden Pfeiler bis zu den krönenden Helmen die einsame Wolken noch tragen. Glühst du im Feuer des Abends so bist du den Menschen gegeben, da du uns Quader um Quader an Streben und Mauern erleuchtest. Aber im Schimmer des Morgens, im Osten zum glühenden Tage zaghaft sich zeigend, erhellt dem Einen nur, der dich erdachte. Dämmer noch hüllet dem Auge des Menschen dich, Dombau des Höchsten. Ihm aber dienest du einzig. Du lobest mit Wänden und Klüften schweigend und betend zugleich. Ihn, dessen Zeichen du trägst. (E. Amberg, Engelberg)

Gipfelkreuz auf dem Gross Spannort

Zur Erklärung des Namens Spannort: Es bietet sich SPAN (N), mittelhochdeutsch Streit, an. 
Nicht ganz auszuschließen ist aber auch  SPAN> Holzspan, wegen des zerklüfteten,
 wildverzackten, spanartigen Aussehens des Massivs. 
Erste rwähnung: Als Spaneter im Jahre 1708.  Quelle: Urner Namenbücher Bd. I - IV

Spannortmassiv vom Oberseemmandli, aufgenommen im Jahr 1967. Seither ist das Volumen des Gletschers ständig zurückgegangen. Die Gletscherlängenmessungen der Naturforschenden Gesellschaft Uri wurden inzwischen eingestellt. Der Felsrücken im Vordergrund: Schwarz Stöckli, 2642 m.

Spannort als Briefmarkensujet.

 

Spannort im warmen Sonnenlicht. Bild: Urs Arnold

Links 
Blick vom Sunnig- Täler Höhenweg gegen den Börterstei und den Talhintergrund mit  Schwarzsstöckli, Spannortmassiv und  Schlossberg, rechts, 3133m. 

Bild oben: Roman Koch

In der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember 1961 löste sich am Kleinsten Spannort eine grössere Felsmasse. In mehreren Phasen stürzten über eine Million Kubkmeter Gestein auf Nidersurenen, unterhalb der Alp Stäfeli ab. Mit ungeheuerer Wucht zersplitterte das Kalkschiefergestein nach dem Absturz und begrub den vorderen Teil der Alp Nider Surenen. Auf der Hanggegenseite wurde durch den Druck einige hundert Meter hoch alle Vegetation vernichtet. Der Felssturz umfasste den W- Gendarmen des Kleinsten Spannorts, der auf den schwarzen, nordwärts einfallenden Opalinusschiefertonen, welche von der hellen Dolomitenbank des Trias unterlagert sind, abrutschte. Seit jenem Felssturz hält man von den grotesken Türmen des Falkenturms manierlich Abstand und die Routen durch die Südwand sind nicht mehr begehbar.

Luftaufnahme aus der Kanzel eines Nidwaldner Segelpiloten mit der versprengten Spannortgruppe. www.sg-nidwalden.ch/ 

Wie mit Puderzucker übergossen, das Gross Spannort mit dem abstehenden Westgipfel.   Bild: www.busino.ch 

     Erstbesteigung Gross Spannort,  3198 m 

1867 wurde das Grosse Spannort vom seinem Joch aus, erstmals erstiegen. Die britischen Alpinisten Rev. John Sowerby, und dessen Landsleute Waldemar Mansell, F. E. Thomphson und Robert Spankie erreichten mit den damals bekannten Urner Bergführern Josef Maria Tresch- Exer (1818- 1886) und Ambros Zgraggen, dem Karli- Breseler, (1825- 1904), den Gipfel über den leichtesten Anstieg von Süden. Die gleichen Bergführer waren zusammen mit dem Engländer Sowery bereits 1868 bei der Erstbegehung des Krönten erfolgreich. 

 Urner Reiseführer 1902:Das Grosse Spannort ist eine abenteuerlich geformte Berggestalt von Hochgebirgskalk und braunem Jura auf steilstehendem Gneis. Führer von Erstfeld oder Amsteg Fr. 25.-- Die Pracht der Alpenansicht vom herrlichen Gipfeldiadem der Berner Hochlandswelt bis zur Bernina- Gruppe und die grauenvolle Wildheit der näheren Umgebung sind nicht zu beschreiben. Reizend ist aber der Blick inmitten dieses gletscherprangenden Kolosseums der Niederblick in das freundliche Engelberger Tal“ 

     Nordwand des Gross Spannort

Links unter der nördlichen Spitze des Spannortgipfels befindet sich ein alter rostiger Felshaken. Dieser sollte im August 1928 die Erstbegeher- Seilschaft Werner Weckert, Paul Bootz, Mathis Margadant und Fitz Bieri sichen. Dass sie wagemutig kletterten, weiss man spätestens am Ende des Berichts von Werner Weckerdt: "Dicht an den kalten Felsen geschmiegt, jede mögliche Reibung ausnützend, schwindle ich mich zentimeterweise höher, sogar mit dem Kinn versuche ich mich zu halten. Etwa 10 Meter komme ich so aufwärts, dann ist es mit jeder Kunst zu Ende. Die Finger drohen zu erlahmen. Selbst mit den Zähnen verbeisse ich mich im unbarmherzigen Gestein, bis ich nach schwerem Kampf endlich wieder auf der Höhe meiner Kameraden rechts in der Wand klebe; dann ist's mit meiner Kraft zu Ende. Am Mauerhaken lasse ich mich zu den Freunden hinüberpendeln. Die Finger schliessen sich im Krampf, und vorläufig bin ich zu jeder weiteren Arbeit unfähig. Die Kameraden reden von Rückzug. Da packt mich eine tolle Wut gegen diese trotzige Wand. Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit ihr beizukommen. Ich quere auf einem Band etwa 8 Meter nach links zu einem der Wand vorgelagerten Block. Von hier zieht steil nach rechts aufwärts eine brüchige, griffarme Platte, die mit der linken Wand einen Winkel bildet. Nach meiner Meinung die einzige Möglichkeit, wenn auch äusserst schwer. Ich verklemme mich zwischen dem Block und übernehme die Sicherung. Vorsichtig geht Paul zu Werke, denn das Gestein ist denkbar schlecht. Nach 3 Meter schlägt er einen Sicherungshaken. Jede Unebenheit im Fels ausnützend, gewinnt er langsam Zoll um Zoll. Das Ende der Platte ist von einem Überhang begrenzt. Nochmals fährt ein Mauerhaken in den Fels. Dann spreizt Paul mit dem linken Fuss weit in die linke Wand hin. Unendlich lange klebt er so. Griff um Griff bricht aus, bis er sich mit äusserster Gewichtsverlegung über den Überhang drückt, dann noch drei Meter senkrecht empor und nun ist er meinem Blick entschwunden. Nur das langsame Nachlaufen des Seils sagt mir, dass er vorwärts kommt. Nun unter einem grossen Überhang auf abschüssigem Schuttgesimse nach rechts querend, erreichen wir 30 bis 40 Meter vom Signal den Gipfelgrat. Die Rucksäcke werden aufgeseilt und nach geraumer Zeit kann auch Freund Mathis als letzter sich in Bewegung setzten. Jedoch nicht ohne Zwischenfall, denn am Überhang bricht ihm ein Block aus. "Haltet fest" ruft er und pendelt, aber bald darauf stehen wir alle um die zweite Nachmittagsstunde freudig am Gipfel und schütteln uns kräftig die Hände".   by Sepp Huber