Text: SEPP HUBER
Erstbesteigungsgeschichten
  Karte Bristenstock
Seilbahn Breitlaui
Beschrieb Aufstieg
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Seit Jahrtausenden überblickt er das Geschehen in Uri

Der monumentale Bristen prägt mit seiner freistehenden Felspyramide von 3072.7 Metern Höhe das unverwechselbare Erscheinungsbild des Kantons Uri und gilt als dessen Wahrzeichen schlechthin. Schon im Urnersee taucht seine harmonische Gestalt ins Blickfeld. Bereits in Flüelen dominiert er als alleiniger Mittelpunkt das südliche Landschaftsbild und ab Erstfeld beherrscht er definitiv das Tagesgeschehen des unteren Urner Reusstals. Die gleichmässige, dreikantige Pyramidenform des Bristen gilt mit seiner Ansicht vom Urner Talboden aus unzweifelhaft als eine der schönsten Bergformen unserer Alpen.

Der bekannte Geologe Albert Heim ( Zeichnung)  war viel mit Bergführer Josef Maria Tresch, dem Weissen in den Bergen unterwegs. In seinem Nachlass fand sich später dessen  Führerbuch.
 (.. ) Da gibt es Berge, die vom Gipfel bis zur Thalsohle eine nahezu constante Böschung haben. 
Der Bristenstock ist eine der reinsten Formen dieses Typus (..).  A. Heim

Karte: Urner Führer 1905


Der große,  3073 m hohe und das untere Urner Reusstal abschließende "Bristen" gilt als eigentliches Wahrzeichen des Kantons Uri. Seinen Namen hat er vom Bergdorf Bristen,  sein historischer Name ist  "Stägerberg", Berg beim Dorf "ze Steg" (alter Name von Amsteg).  In Seelisberg wurde er auch Mittagsstock geheissen, (Sonnenstand um die Mittagszeit). Wegen dem rötlichen Gestein heisst  ein  Felsaufschwung  "Rot Bristen".  Ein nordseitig unterliegender  Felskopf nennt man Gemsplanggenstöckli.

Karte Bristenstock gross

Von seiner ersten touristischen Besteigung berichtet der Altdorfer Arzt Dr. F. Lusser.
1823  erstieg er den Bristenstock zusammen mit Leuten aus Amsteg  Als Führer amtete der Stutz Hans,  Hans Indergand aus dem Ried oberhalb von Amsteg.  Indergand war auch bei späteren Begehungen als Begleiter mit dabei. 1839  war der Zürcher Maler und Gebirgszeichner Heinrich Zeller- Horner mit dem 60- jährigen Josef Maria Tresch- Zgraggen, dem Grossen Tresch, auf dem Gipfel. Bergfuehrer Grosser Tresch

Auf dem Gipfel des Bristen soll  auf der  "obersten Spitzen ein Holz ligen, welches Einige von der Sündflut her zu seyn achten" und von dem 1693  festgehalten wird :„ unweit von Steg war uns linger hands gegen Disssidis gezeiget der berg Brüsten genant, welcher, wie die  Inwohner wollen, höcher als der Pilatus zu Lucern ist, beynebens auch fruchtbahr an gemsch und murmelthierlein“ (UNB). 

Sage: Noch heute erzählt man, dass der Bristen selbst auf vier goldenen Pfeilern ruhe. Wer das Glück habe, einen davon anzubohren oder sonst darauf stoße, dem würden ungeheure Reichtümer in den Schoss fallen.  

Der Bristensee liegt auf 2095 m, misst 2 ha und ist 6,5 m tief. Der fast runde, eher karge, manchmal trübe See ist ein typisches Namaycush-Gewässer und immer für eine Überraschung gut. Von Bristen aus führen mehrere Wege dorthin. Der am häufigsten begangene Pfad ist der über das  Bristenstäfeli und Blacki.  Für den Aufstieg zum See rechnetet man mit rund drei Stunden.

1898 berichtet der bekannte  Führerlose Salzburger Ludwig Purtscheller mit schillernden Worten über seine Besteigung des Bristenstockes: 
"die Propyläen zu dem gewaltigen Gebirgsstock des Gotthards, ein Glanzstück des Rahmes in der großen, hochstilisierten Landschaft des Vierwaldstättersees, einer Landschaft, die dem Herzen kaum minder nahe steht als dem Auge".

Seltenschöne Einzelbilder und großartige Gesamtblicke vereinigen sich am Bristenstock
 zu einer Bergschau von erhabener Pracht und Harmonie.

 Wunderschöne Gratkletterei direkt nach dem Chlüserwändli. Bis zum Aufschwung zum Südgipfel geht es fast horizontal weiter.  www.etzlihuette.ch 

Den ganzen Südgrat  des Bristen auf einen Blick! Ganz links die südliche und in der Bildmitte die nördliche Chlüserlücke. Zwei Möglichkeiten um auf den Grat zu gelangen; siehe Bild oben,  www.etzlihuette.ch 

 

Nachweis: UNB Bd. I - VI , Schaller, Chronik der Naturereignisse 1000 - 1800, Staatsarchiv Uri, Hugo Nünlist, Das Maderanertal; Bilder aus: Alpenkalb, Fotograf Mathias Zehring und Christoph Sager, Hüttenwart der Etzlihütte; Sepp Huber, Erstfeld. picswiss.ch