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Die Treschhütte im Fellital 

 

Das abgeschiedene und bisher vom Massentourismus weitgehend verschont gebliebene Fellital mit den kleinen Nebenästen Chlüser- Pörtli - und Wicheltal beherbergt auf 1475 m ü. M. mit der Treschhütte eine der tiefstgelegensten SAC- Hütten der Schweiz. 1936 wurde das Fellital zum Jagdbann- und 1948 auch zum Pflanzenschutzgebiet erklärt und bildet zusammen mit dem Maderanertal eine zu erhaltende Landschaft von nationaler Bedeutung. Besonders lohnend ist ein botanischer Rundgang durch das Fellital. Im September 2003 wurde über dem Eingang des Tales auf dem Gipfel des Taghorns ein neues, weithin sichtbares Gipfelkreuz eingeweiht. 

Zugang 

Begleitet vom Rauschen des Fellibachs zieht der recht steil angelegte und teils mit Granitblöcken durchsetzte Weg seine Kehren von der Fellibrücke hinauf durch den Fichtenwald zu den Hütten vom unteren und oberen Felliberg. Neben grobblockigen Felstrümmern überquert eine Holzbrücke auf 1264 m den Fellibach, sanfter leitet der gut markierte Hüttenweg über Ronen weiter zur Treschhütte (1475 m) der Sektion Am Albis des Schweizer Alpenclubs. Je höher das Tal, desto deutlicher zeigen sich die Einflüsse der Naturgewalten. Der Fellibach wurde durch kleinere Bergstürze und Schuttmassen aus den kurzen, aber sehr steilen Seitentälern mehrmals gestaut, so dass bei Hütten (1264m), Ronen (1372m), Vorder Waldi (1508m) sowie Obermatt (1841m) und Murmetsbüel (2010m) ebene Flächen entstanden. 

Namenspate der Treschhütte ist der legendäre "Felli -Tresch". 

Zunächst lebte der 1835 als Sohn des "Grossen Tresch" geborene Johann Josef Tresch-Indergand mit seiner Familie, aus der drei Töchter geboren wurden, im Etzlital und übersiedelte später er auf die 'hintere' Seite des Bristenstocks, auf den Felliberg. Nach dem Tod seiner Frau trieb ihn permanenter Geldmangel mit vier noch verbliebenen Geissen hinauf nach "Hütten" bis er schliesslich noch weiter taleinwärts am Ronastutz sein Refugium fand. Hier verbrachte der inzwischen "Felli- Latz" genannte, grossgewachsene Johann Josef Tresch viele Jahre in einsamer Abgeschlossenheit. Sein Reichtum beschränkte sich auf das allernötigste Kochgeschirr, etwas Werkzeug, seine Geissen und eine alte Drehorgel. Und wenn es gar zu einsam wurde, sang er dazu das Napoleonslied oder von der Jungfrau Maria, sodass man Gänsehaut bekommen hätte. In Alpinistenkreisen war er trotzdem ein geschätzter Bergführer, dem man sich ruhig anvertrauen konnte. Mit seinem Bruder Josef Maria, einer der Pioniere der Urner Alpen, stand er 1865 erstmals auf dem Piz Nair und die Urner Alpingeschichte nennt vom Fedenstock bis zum Sonnig Wichel über ein Dutzend Erstbegehungen auf das Konto von "Felli- Tresch" Dieser war schon durch die äußere Erscheinung ein Original. Über 180 cm gross, breit und schwer gebaut, mit zu kurzen Hosen, einem alten Kittel, dem schweren Filzhut auf dem Haupt und riesige, mit Nägeln und Eisen beschlagene Holzböden an den Füssen, hat seine Gestalt manch mitleidiges Lächeln gefunden. Zu verschiedenen Malen war er mit dem Zürcher Alpinisten Carl Seelig in den Urner Bergen unterwegs. "Er hatte nicht etwa Bergschuhe -nein- gewaltige Holzbodenschuhe, Riesendinger, wahre Kähne, sodass wir oft nicht begreifen konnten, wie der Alte durchkam". Wer ihn aber als Führer erleben durfte, wie er mit seinen unförmigen Schuhen die schwersten Hindernisse überwand, dem verging bald das Lachen. Als Strahler wies der Felli-Tresch beachtliche Funde aus, doch am Fedenstock verliess in der Instinkt. Kriechend war er daran, eine Kristallhöhle ausbeuten, als sich ein Teil der Höhlendecke löste und ihm die rechte Hand und ein Teil seines Arms eindrückte. Erst nach stundenlangem Zerren und Reissen gelang es ihm, seine zerquetschte Hand zu befreien die, ohne jegliche ärztliche Hilfe verstümmelt blieb.

Am 28. September 1902 kehrte sein junger Zuger Gast "Schilling", der zusammen mit Tresch am Sonntagmorgen von dessen Hütte im Ronastutz zu einer Bergtour auf Bristenstock aufgebrochen war, allein ins Tal zurück. Johann Josef Tresch blieb, auf der Suche nach im Nebel hilferufenden Touristen, am Bristen verschollen. Erst 19 Jahre später, am 20. Oktober 1921, fand Albin Indergand aus dem Ried in Amsteg, über der Chlüseralp im Etzlital die sterblichen Überreste des verunglückten Felli- Tresch. Seine Gebeine wurden auf dem Friedhof von Amsteg beigesetzt. Albin Indergand selber war 1890 beim "Strahlnen" verunglückt und verlor dabei sein rechtes Bein sodass er seither mit einer Holzprothese leben musste. Gerettet hatte ihn damals der Felli- Latz. Noch heute erinnert der Name Treschhütte an den eigenwilligen und freiheitsliebenden Johann Josef Tresch.

Hüttengeschichte

1905 nennt der Urner Führer die Treschhütte als Privateigentum von J.Jauch, Bristen und Führer M. Wipfli in Silenen". Der 1875 in Seelisberg geborene und später in Silenen wohnhafte Michael Wipfli, verheiratet mit Berta Zgraggen aus dem Stamm der 'Dubel- Zgraggen' war einer ersten Skihersteller. 1911 liess er seine Erfindung bei Eidg. Amt für geistiges Eigentum patentieren. Vor seiner Auswanderung in den Westen Kanadas verkaufte er 1914 seinen Anteil Treschhütte. "Möge diesem intelligenten Führer auch das weitere glücken", schrieb damals die Urner Presse. 1923 hat die im Bezirk Affoltern beheimatete SAC - Sektion "Am Albis" von der Gemeinde Gurtnellen die frühere Behausung des Johann Josef Tresch erworben und ausgebaut. Anstelle der baufällig gewordenen Holzhütte wurde 1947 der heutige, massive Blocksteinbau ca. 100 m über dem früheren Standort, am Eingang zum Vorder Waldi gebaut und 1984 talseitig erweitert.

Das abseits der Fernstrassen verborgene Fellital inmitten einer grossartigen Naturlandschaft ist ein beliebter Ausgangspunkt für Berg- und Wandertouren über die Fellilücke zum Oberalppass, oder über die Pörtlilücke zur Etzli-Hütte.