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C+ M+ B/ Dieses Haus zum Gemsbock anno 1910 durch Umbau in seine jetzige Gestalt gebracht; wurde zur Eröffnung der Sustenstrasse in der Zeit des grossen Krieges 1939/45 erbaut und im Friedensjahr 1946 vollendet. (...) Inschrift: Wassen Dorf.

Geschichte der Sustenpassstrasse 1811- 1946

Der Sustenpass verbindet das Aaretal mit dem Reusstal, Innerkirchen mit Wassen, den Kanton Bern mit dem Kanton Uri. Der 46 Kilometer lange Pass erreicht eine Höhe von 2259 Metern, die Strasse führt durch den Tunnel auf 2224 Metern. Die während des Zweiten Weltkrieg erbaute und 1945 fertiggestellte Strasse hat 32 Millionen gekostet. Sie umfasst 26 Brücken und 26 Tunnels.

Dabei beginnt die Geschichte der alten Sustenpassstrasse mehr als ein Jahrhundert früher.

 Im Sommer 1811 wurde, vom Pass ausgehend, sowohl auf der Berner, wie auch auf der Urner Seite mit dem Bau begonnen. Auf der Urner Seite kamen die Baracken für die Arbeiter auf Gufernegg zu stehen. Während auf der Berner Seite 1811 rund 220 Mann im Einsatz waren,  arbeiteten auf der Urner Seite lediglich 50 Mann. 1813 kam man mit der Strasse bis Färnigen, 1814 bis zur Meienkapelle. 1815 ruhten die Arbeiten auf beiden Seiten. Bern hatte nach dem Sturz von Napoleon die Pässe mit dem Wallis und Italien wieder geöffnet und sah den Sinn des Projektes über den Sustenpass nicht mehr klar. Nach langem hin und Her und zahlreichen Zusammenkünften entschlossen sich die Parteien, das begonnene Projekt zu vollenden.

1816 vollendete Uri die Strecke Färnigen- Meien. 1817 wurde auf der Berner Seite gearbeitet, nicht aber in Uri. 1818 verhielt es sich umgekehrt. Am 20. Mai beschloss der Urner Landrat einen Kredit für den Abschnitt von Fr. 20'000.-- für den verbleibenden Abschnitt von der Husenbrücke bis nach Wassen. Es blieb bei den Absichten, vereinzelt wurde noch an der Strasse gearbeitet, für die Vollendung reichte es nicht. Dabei fehlten von den insgesamt 16.5 km nur noch deren zwei, allerdings technisch anspruchsvolle Kilometer.

Frauenarbeit

Die Protokolle zeigen, dass in Uri durchschnittlich 40 Mann auf der Baustelle arbeiteten. Rund drei Viertel waren Einheimische, zu ihnen gesellten sich stets ein gutes Dutzend " welsche Maurer" und "Piemondteser Sprenger". Interessant ist, dass auch Frauen beim Bau der Strasse als Trägerinnen von Werkzeug und Baumaterial und als Botengängerinnen tüchtig Hand anlegten. Beim Bau der Brücke bei Gorezmettlen waren nicht weniger als 16 Frauen als Sandträgerinnen im Einsatz. So trug eine Marianne Baumann vier Läden von der " Mihli" zu Wassen  für 28 Schilling bis  " in "Susten" und Anna Gamma schleppte für 2 Gulden und 5 Schilling sechs Tage " Läden und Werkzeug" auf den Susten.

Der Strassenbau wurde in " Regie" ausgeführt. Auf der Urner Seite war in den ersten zwei Jahren Johann Launner von Lauterbrunnen Chef auf der Baustelle, ihm zur Seite stand Ratsherr Franz Anton Mattli. Dabei ging es soldatisch zu und her.  Trommler trieben die Arbeiter und Handlanger zur Arbeit an.

Aus den hochgesteckten Plänen wurde nichts.

Den Urner wie den Bernern ging das Geld aus, und beide Seiten erkannten schon früh, dass Aufwand und Ertrag nicht im Einklang standen. Kaum hatte man mit  dem Bau begonnen musste man einsehen, dass man von völlig falschen Berechnungen und Erwartungen ausgegangen war. Nicht nur der Verkehr und somit der Zoll war geringer als erhofft, Bern und Uri hatten zudem mit einer acht monatigen Passöffnung gerechnet während im Winter ein Schlittenverkehr geplant war.

Zudem stand nun ein viel wichtigeres Projekt im Vordergrund: Die Fahrbarmachung des Gotthardpasses. Auf Druck der Tessiner stürzte man sich mit aller Kraft auf die Gotthardroute. 1830 war das Werk vollendet,  der Handel über den Gotthard florierte, der Einsatz hatte sich gelohnt. Für die Sustenpassstrasse hingegen bedeutete dies vorläufig das Ende.

Mehrmalige Anläufe

1881 reichte Ratsherr Josef Maria Gerig  aus Wassen eine Motion ein, die Erstellung der Sustenstrasse wieder in Erwägung zu ziehen. Die Motion wurde vom Landrat "mit allen gegen drei Stimmen" verworfen.  Begreiflich, hatte Uri erst 1875 die direkten Steuern eingeführt, um sich am Bau der Gotthardbahn mit einer Million Franken zu beteiligen. Die Gemeinde Wassen liess  nicht locker. 1885 ersuchte sie die Baukommission von Uri,  in das kantonale Budget 1886 Ausgaben von Fr. 1500.-- bis 2000.-- Franken aufzunehmen für eine Kostenberechnung zur Fahrbarmachung der Sustenstrasse.  1887 stimmte der Urner Landrat dem Antrag zu. Und wieder passierte nichts.  Bern trieb den Ausbau des Grimselpasse voran und in Uri gewann das Klausenpassprojekt Oberhand.

Kaum war die Strasse ins Glarnerland realisiert, wurde 1899 einmal mehr ein Postulat zur Projektbewilligung einer Sustenpassstrasse eingereicht. Doch dem Begehren des Wassner Ratsherren Sepp Walker war kein Glück beschieden. Seine Eingabe wurde mangels Finanzen als unerheblich erklärt.

1901 wurde die Urner Regierung in Bern vorstellig und fragte beim Bundesrat "ob Aussicht vorhanden sei" für die Sustenpassstrasse Subventionen zu erhalten.  Der Bundesrat zeigte nicht zuletzt wegen der militärischen Bedeutung zu, das Projekt zu unterstützen. In Folge schlechten Wetters traf man sich in Luzern und kam überein, ein gemeinsames "Bedingnisheft" für die Aufstellung eines Projekts mit Kostenvoranschlag zu erstellen. Am 3. Mai 1902 schrieb die Urner Regierung die Strasse zur Projektierung aus. Das Projekt der Ingenieure Imfeld aus Zürich und Wildberger aus Chur  sah eine Fahrbahnbreite von 4.8 Metern bei einer durchschnittlichen Steigung von 6.8 Promille vor. Dabei waren von Wassen bis zur Passhöhe 20 Spitzkehren vorgesehen und dies mit einem Preis von 1.8 Millionen Franken. Allein das liebe Geld war nicht vorhanden, am 27. Mai 1909 beschloss der Bundesrat mit Rücksicht auf die gespannte Finanzlage auf das Subventionsbegehren aus Uri und Bern, den Räten gar nicht einmal vorzulegen. Trotz Intervention des Urner Nationalrats Gustav Muheim sprach bald niemand mehr über das Projekt  des Sustenpasses, zu alledem brach 1914 noch der erste Weltkrieg aus.

Startschuss zum Bau der Strasse

Wassen hatte bereits 1913 eine Fahrstrasse bis zur Schanz bauen lassen. Ein Jahr später verlangten sie die Fortsetzung der Strasse bis Husen.  Doch niemand von den Verantwortlichen ging auf diese Forderung ein. 1922 unterschrieben 126 Wassner eine Petition für eine baldige Ausarbeitung eines Projekts für eine Güterstrasse ins Meiental, doch auch dieser Vorstoß verlief im Sande. 

1927 unterschreiben 32 Landratsmitglieder eine Motion, mit den Frage, ob nicht ein Teil der erhöhten Bundesbeiträge pro 1925 und 1926 für die Alpenstrasse im Betrag von Fr. 160'000.-- zur Förderung des längst projektierten Straßenprojektes ins Meiental auch im Interesse de Arbeitslosigkeit zu verwenden sei. Am 6. Mai 1928 stimmte die letzte Urner Landsgemeinde dem Antrag zu und beschloss die Anlegung eines Baufonds von Fr. 60'000.--. Dabei ging es nicht mehr um die eigentliche Passstrasse, sondern lediglich um eine Güterstrasse bis nach Färnigen.  Nach verschiedenen Projektvorschlägen wurden die Urner Stimmbürger am 3. April 1932 aufgerufen, über das Projekt der Güterstrasse Wassen- Färnigen abzustimmen.  Man rechnete mit Kosten von insgesamt Fr. 883'000.-- woran der Bund 50 %, Wassen    Fr. 33'000.-- und die Korporation Uri Fr. 15'000.-- leisten sollten. Mit nur 13 Stimmen Mehrheit wurde das Projekt angenommen.  Doch ein paar Bürger aus Silenen fochten das Abstimmungsergebnis an. Ihre Begründung, die im Dienst weilenden Soldaten hätten an der Abstimmung nicht teilnehmen können. Der Urner Landrat annullierte darauf die Abstimmung, ein Entscheid den auch das Bundesgericht stützte. Eine neue Vorlage lehnte das Urner Volk 1933 recht deutlich ab.

1935 reichte Uri gemeinsam mit Bern beim zuständigen Bundessamt das Projekt für eine neue Alpenstrasse über den Sustenpass von Innertkirchen bis Wassen im Gesamtkostenvoranschlag vom 20.7 Millionen Franken ein. Nach langwierigen Verhandlungen sicherte der Bund schließlich im Februar 1937 der Urner Regierung zu , 90 % der Kosten zu übernehmen. Die Stimmbürger der Kantone Bern und Uri stimmten schließlich dem Bau der Sustenstrasse zu.

IN ERNSTER ZEIT DEM FRIEDEN GEWEIHT

Am 15. September 1938 begannen die Arbeiten. Anfänglich rechnete man, 1943 mit den Arbeiten fertig zu sein.  Der zweite Weltkrieg und der Mangel an Arbeitskräften verzögerten den Bau.  Am 26. Oktober 1945 fuhr zum ersten Mal ein Auto über den Susten und zwar von Wassen nach Meiringen. Offiziell wurde die Sustenpassstrasse  in Anwesenheit der höchsten politischen und militärischen Spitzen ein Jahr später, am 7. September 1946 dem Verkehr übergeben. ( Foto Archiv Keystone UW  9. Sept. 2006)

 

Bis es soweit war mussten viele Schwierigkeiten überwunden werden. Ein großer Teil der Arbeiter wurden unter die Waffen gerufen, zudem bescherten große Aufträge für Festungsbauten den Unternehmen lukrativere Angebote. 1943 und 1944 erfolgte die Einsetzung von italienischen Internierten.  In den Barackendörfer am Susten  konnten 550 Mann aufgenommen werden, auf Guferplatten wurde sogar eine Spitalbaracke eingerichtet.  Für den Materialtransport der vorgängig eingerichteten Zufahrtsstrasse zu den einzelnen Baustellen wurden fünf Standseilbahnen  gebaut und im Hinterfeld  eine Kies- und Sandgewinnungsanlage eingerichtet. Für Gläubige wurden katholische und protestantische Gottesdienste organisiert, für den geselligen Teil sorgten Vorträge, Unterhaltungsabende und Kinovorstellungen. Und viele wurden wegen der 1939 erlassenen Arbeitspflicht zur Arbeit gezwungen,  die Arbeitsmoral war entsprechend hoch. Die Gesamtkosten beliefen sich schließlich auf sage und schreibe 31.8 Millionen Franken.

 Die schönste Alpenstrasse

Dies meinte bei der Einweihung der der PTT-Verwaltungsdirektor, Dr. Hess: „Kühn in der Anlage, erbaut nach neuesten Erfahrungen der Fachleute und betreut vom Gedanken des Heimat- und Naturschutzes, möge die Sustenstrasse vermehrte Freude an den Alpen und ihrer Blumen- und Tierwelt vermitteln und den benachbarten Alpenübergängen neuen Glanz verleihen!“

Beliebtes Ausflugsziel

Immer mehr Schweizer konnten sich nach dem Krieg ein Auto leisten und bald gehörte es zum guten Ton im sauber geputzten VW- Käfer, Simca, Fiat oder mit einem DKW über einen der zahlreichen Schweizer Pässe zu fahren. Das führte am Susten zu einigen Problemen.  Am Tag der Eröffnung überquerten nicht weniger als 15'000 Fahrzeuge den Pass, 12 % der in der Schweiz zugelassenen Fahrzeuge. Dies führte dazu, dass der Pass am darauffolgenden Sonntag  abwechslungsweise nur noch aus einer Richtung frei gegeben wurde.

 

(Text:  Sepp Huber, gekürzt 2006)  

Quellen: Verkehrswege in Uri, Herausgeber; Raststättegesellschaft N2 URI AG (1996)