Sunnig Wichel

Dem Zürcher Kletterer Seelig mit Urner Bergführerpatent gelang 1894 die Ersteigung des Nordgipfels. Er verliess Amsteg gegen 11 Uhr nachts und wanderte in mildem Mondlicht ins Etzlital. " Es ist eine zauberisch schöne Nacht.  Der feine Duft, der in den Tälern liegt und alles wie durch einen feinen, zarten Schleier sehen lässt, verkündet gutes Wetter. Wohlig atme ich der herrlichen Heugeruch ein, der von den Wiesen aufströmt". Im Etzliboden schlief er vier Stunden und stieg weiter zum Spillauisee. " Der Sonnigwichel ist kein hoher Berg, nimmt aber den Blick sofort gefangen. Ich weiss keinen anderen Gipfel, der in so fantastisch zerrissene Formen anscheinend unnahbar gen Himmel strebt, wie er". Auf einer hohen, glatten Platte musste er zunächst aufgeben: " Drehen kann ich mich nicht und so muss  ich rückwärts den großen Schritt wagen, der mich vorhin hinaufbefördert hat. Es vergehen etliche Minuten, mir steht weiß Gott der Angstschweiß auf der Stirn und ich getraue mich nicht, den Schritt zu tun, zwölfmal schicke ich mich dazu an, so dass ich schon das bekannte nervöse Zittern bekomme. Aber es hilft alles nichts, ich muss hinab, wage endlich den Schritt und er gelingt; denn sonst könnte ich heute nicht davon erzählen."  Den vertrackten Irrgängen zum Trotz bezwang er dennoch den nördlichen Gipfelzahn.

Nachweis: UNB Bd. I - VI; Nünlist;