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Steile Welt "Diesen Blättern, soviel sie auch von ihr bezeugen, sei nicht Hymnus auf die Heimat vorgetragen. Denn alles Liebe, so denk ich mir, erfasst nur stets die Hälfte. Und meine Heimat ist führwahr Prunkkammer Gottes und Irrgarten des Teufels zu gleichen Teilen. Näher als ein Lobgesang läge mir da schon die Widerrede an jene Immerbereiten, die so leichthin rühmen und durch die Unzahl ihrer Worte blenden. Von dem was ihm zutiefst bewegt, sei es vom Guten oder Bösen her, spricht niemand gern. Der Jüngling hütet das Geheimnis seiner Liebe. Und der Seemann soll, so wird berichtet, nicht von der See, der Krieger nicht vom Kriege reden. So auch verschweigt der Mensch des Berglandes seine Berge. Er ist aus Art und aus Gewöhnung zu verschämt und scheu und wird sein Inneres kaum in lautem Ton veräußern. Vollends verstummt er aber unter dem Gewichte seiner Umwelt. Wohl kann er seine Seele zum Stau mächtiger Gefühle machen - zum Bekenntnis aufrufen, vermag er jedoch nicht die drängende Fülle zu ordnen. Er lächelt leicht ob dem Entzückten und Lauten, die in seine Tore treten - doch seine Lippen sind schwer wie steinerne Zierart und zerbröseln das Wort, noch ehe es zum Einwand wird". Heinrich Danioth Die Steile Welt wird neu entdeckt Gebirge sind Urlandschaften: herb, großartig, beeindruckend, vielfach unbezähmbar wie Ozeane und Wüsten. Sie sind Gebilde aus Stein und Eis, hoch droben menschenfeindlich und fast unnahbar. Da, wo es möglich war, haben es Menschen seit Jahrtausenden verstanden, diese Landschaften zu nutzen und ihnen Lebensgrundlagen abzuringen. Die Alpen wurden so zu einem einzigartigen Kultur- und Lebensraum. Heute ziehen die Alpen jedes Jahr Millionen von Touristen in ihren Bann - Wanderer, Bergsteiger, Kletterer, Skifahrer und Trendsportler gleichermassen. Die mobile Gesellschaft hat sich der Alpen bemächtigt und sie vielerorts ihren schnelllebigen Bedürfnissen angepasst. Damit laufen die Alpen heute Gefahr, zum Spielplatz zu verkommen, zur Kulisse für "Trend & Action". Doch dem ist nicht überall so. Man besinnt sich auf die ursprünglichen Lebensformen, und mehr Menschen denn je sehnen sich nach intakter Natur - und das umso mehr, je unwirtlicher das Leben in den Städten wird. Die steile Welt wird neu entdeckt. Peter Mathis
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