www.top-of-uri.ch 

 

 

 

Scheuchzers Theorie über die Entstehung der Alpen

Bekannt ist Scheuchzers „Kupfer-Bibel" mit den gefalteten Sedimentbänken der Urner Alpen, deren Ablagerung er auf die Sintflut zurückführte. "Das Zeugnis der Sünd-Fluth ist in die harteste Felsen eingeschrieben. Beschaue die in ordentliche Lager [Schichten] getheilte, und aus denselben gleichsam aufgebaute Berge, so sind sie augenscheinlich von irdischen  Theilen entstanden, welche durch eine sehr hohe Wasser-Säule sich anfaenglich gesetzet, so dann aber wieder gebrochen und aufgehoben worden“. „Zu diesen Gedanken führt mich nicht eine eingebildete Hirn-Grundlehr oder ein in der Natur unbegründetes System, sondern die Natur selbst: die Gestalt der Berge, Abteilung in gewisse gebrochene Strata oder Lager und in diesen Lagern, ja in den härtesten Felsen eingeschlossen liegende undisputierliche Überbleibsel der Sündflut: Schnecken. Muscheln, Fische. Kräuter etc. ... Nachdem aber auf Gottes Befehl gegen dem Ende der Sündflut die oberen Erdlager, gleich als ob es Eierschalen wären gewesen, gebrochen und emporgehoben worden, sind die Berge entstanden und die Täler. Es hat die Erde unzählig viel Spalten bekommen, und sind die Wasser wiederum wie ehemals in der Schöpfung "gesammelt worden an ein Ort" , nämlich um die Meere und den Abgrund, "daß es trocken ward" und also die Erde in einen bewohnbaren Stand gesetzt worden.“  

Johann Jakob Scheuchzer, 1652 - 1733

Johann Jakob Scheuchzer  gilt in der modernen paläontologischen Literatur ganz überwiegend als Beschreiber des berühmten „Homo diluvii testis“ (ein Mensch als Zeuge der Sintflut). Bis in Museen hinein gibt es wohl keine andere Fehlbestimmung eines Fossils in der Paläontologiegeschichte, die öfters herausgestellt wird, manchmal in herablassendem Unterton.

Scheuchzer war nun nicht mehr der altüberlieferten Meinung, die noch viele Zeitgenossen teilten, Fossilien seien als „Lusus naturae“ (Naturspiele) direkt im Erdboden infolge „einer geheimnisvollen ‚vis plastica’, also einer gestaltgebenden Kraft“, entstanden. Nicht wenige Autoren heben hervor, daß es „ein bedeutender Fortschritt“ war, „als die Anhänger der Sintflutlehre“ in den Fossilien die „Reste einstiger Lebewesen erkannten“. Selbst der sehr kritische marxistische Geologie-Historiker W. BLEI anerkannte, daß sich hier „der Sintflut-Gedanke einmal als fortschrittsfördernd erwiesen“ habe, „weil er die falsche Vorstellung, es handle sich bei diesen Gebilden nur um Naturspiele, zurückzudrängen half“.

Von der Kälte, welche den Bergreisenden beschwer- und schädlich ist

„Wer in solchen Bergreisen, oder sonst kalter Luft, seinen eigenen oder anderer Gefährten Leib gesund erhalten will, der muss vor allem dahin bedacht sein, dass er um den Leib her seine ausdämpfende Wärme behalte. Damit sie nicht zerfliege, und zu dem Ende alle Glieder des Leibs mit dicken Kleidern und Pelzwerk wohl verwahren, insbesondere die Brust mit Papier und Pergament oder Leder einfassen. Und es berichtet Hornius Arca Mos. „dass es den Reisenden gut sei, wenn sie in grimmiger Kälte das männliche Glied in vielfaches Papier einwickeln, und also vor der Erfrierung, welche dort mehrmalen anfangen soll, bewahren“.


Der 1672 geborene Johann Jakob Scheuchzer studierte anfänglich Medizin und widmete sich mathematischen und astronomischen Studien. Daneben befasste er sich mit Botanik, Anatomie und sammelte Fossilien. Durch sein erstes Werk über fossile Pflanzen ("Herbarium diluvianum", 1709) wurde Scheuchzer zum Begründer der Paläobotanik und gilt als der Begründer einer breit abgestützten, wissenschaftlichen Landeskunde, die auch Geschichte, Geographie und Ethnologie umfasst. Die Grundlagen dazu schuf er sich 1702-11 mit neun großen Alpenreisen, deren Ergebnisse er ab 1705 in der eigenen Wochenschrift "Seltsame Naturgeschichte des Schweizer-Lands" publizierte. Er starb im Januar 1733.

Bearbeitet: Sepp Huber