Der
Sustenpass war in früheren Jahrhunderten ein strategisch bedeutsamer
Alpenübergang. Die Urner befürcheten mehrmals den Einfall fremder
Truppen über den Susten. Um einen solchen Angriff wirksam abwehren zu können,
errichteten sie im Meiental an verschiedenen Orten Befestigungsanlagen.
Bereits 1618 bauten sie hier an der Meienschanz eine Festung, die 1683
erneuert wurde. 1710 beauftragte die Urner Regierung Pietro Morettini,
ein Projekt für eine neue Schanze auszuarbeiten. Pietro Morettini
stammte aus dem Maggiatal und hatte beim bekannten französischen
Festungsbaumeister Sébastian Vauban das Handwerk gelernt. 1707/1708
wurde unter seiner Leitung auch der erste Tunnel an der Gotthardstrecke,
das Urnerloch, gebaut. Die Meienschanze bewährte sich bereits 1712 im
Zweiten Villmerger Krieg. Denn hier vermochten die Urner, die bereits über
den Sustenpass eingedrungenen Berner zurückzuweisen. Seine wichtigste
Rolle spielte das Bollwerk in den Kämpfen von 1799 zwischen den
Franzosen und Österreichern. Am 15. August 1799 fand hier eine Schlacht
statt, bei der zirka 200 Franzosen und Österreicher den Tod fanden.
Nach dem Gefecht zerstörten die Franzosen die Festung fast vollständig.
Die in unmittelbarer Nähe gelegene St. Niklausen-Kapelle wurde dem
Erdboden gleichgemacht. Inschrift bei
den Schanzbefestigungen.
Das
Meiental ist reich an Sagen, der „Baschi Frech", der „Greiss
von der Alp Seewen“ und „der Senn und der Zubub“ auf der Alp
Oberplatti sind nur einige.
Der
Senn liess am Ende der Alpsaison absichtlich den Melkstuhl in der Alphütte
zurück. Er schickte den Jungen zurück zu Hütte um den Stuhl zu holen.
Dort traf er einen Alten, der auf dem Melkstuhl sass und hatte drei
Gefässe mit Milch vor sich. Im ersten Gefäss hatte es schwarzblaue im
zweiten rote und im dritten weisse Milch. Der Junge hatte Angst, doch
der Alte bat den Buben aus einem der Gefässe Milch zu trinken. Der
Zubub trank aus dem Gefäss mit der weissen Milch. „Du hast gut
gewählt“, sagte der Alte und bat ihn zwischen Singen, Pfeifen oder
Jodeln auszuwählen. Der Junge wählte Pfeifen und der Alte erklärte
ihm, dass wenn er zu Hause pfeiffe, würden die Kühe zu ihm laufen und
auf den Hinterbeinen um ihn herumtanzen würden. Im Dorfe pfiff der
Junge und es geschah genau, wie der Alte gesagt hatte. Der Senn, der den
Jungen nochmals zurückgesandt hatte, stieg am Abend auch auf die Alp,
denn er wollte auch so pfeifen lernen. Doch er kam nie mehr zurück.
Der
Schatz im Judsfad
Ein
Jude habe dort vor alten Zeiten Erz ausgebeutet, geschmolzen und
geläutert. Drei Häfen voll habe er gewonnen, nämlich einen voll Gold,
einen voll Silber und den dritten voll Kupfer und seinem Schatz dem Itti
zu Färnigen geoffenbart, unter welcher Steinplatte er sie vergrabe. Er
starb bald nachher und weil niemand etwas Gesegnetes auf die drei Häfen
gelegt, sind sie versunken. Vor wenigen Jahrzehnten sollen einige
Männer nach den Spuren der Schmelzi gesucht haben, in der Hoffnung noch
etwas von dem köstlichen Erzeugnis Erde zu finden. Sie stiessen auf
Kohlen und da vertrieb sie ein Ungewitter. So sei es schon vielen
ergangen auch wenn sie morgens bei schönsten Wetter aufgebrochen sind.
Schanz-Sagen
Warum
es auf der Schanz geistert
Josef
Baumann (gest. 1909, ca. 80 Jahre alt) aus dem Meiental hat von seinem
Vater Johann, der als Landwirt zu Färnigen in den vierziger Jahren des
letztverflossenen Jahrhunderts starb, wiederholt die folgende Erzählung
gehört:
Unser
drei Giessbuben hüteten am Schynenstock die Ziegen. Auf einmal (es muss
am 14. August 1799 gewesen sein) bewegte sich eine kriegerische Kolonne
über Goretzmettlen und Seewen gegen den Schyen. Es waren die Franzosen,
die über den Susten kamen, um die Österreicher in der Meienschanz
anzugreifen. Wir hatten aber damals keine Ahnung, wer diese Soldaten
seien, und waren höchlichst überrascht, als wir von ferne die glänzenden
Uniformen und die blanken Waffen aufblitzen sahen. Von diesem
ungewohnten Schauspiele erschreckt, sprangen wir davon und verbargen uns
hinter Steine und Gebüsch. Die Soldaten fingen unsere Ziegen ein und
sogen ihnen die Milch aus. Dann wählten sie die fetteste aus,
schlachteten sie und verzehrten sofort das rohe Fleisch. Nun dachten
wir, es könne auch den andern Ziegen nicht besser gehen, wenn wir uns
nicht zeigen würden. Darum traten wir aus unserem Versteck hervor. Die
Soldaten schienen darob erfreut, fragten sofort, ob man hier gegen die
Meienschanze vorrücken könne, und ob wir einen sicheren Weg dahin wüssten.
Wir bejahten dies gerne, und man gab uns etwas Geld mit der Weisung,
dasselbe dem Eigentümer der geschlachteten Ziegen zu bringen. Allmählich
näherten wir uns den österreichischen Vorposten und konnten
schliesslich von den Flühen herab die Meienschanze zeigen, worin die Österreicher
lagen. Es begann ein Gewehrfeuer; die Franzosen konnten wohl hinab
schiessen, aber die Österreicher drangen mit ihren Kugeln nicht hinauf.
Die Franken beauftragten uns, kleine Steine zu sammeln, die sie mittels
grossröhrigen Büchsen auf die Gegner hinunter sandten. Erstaunt
fragten wir die Schiessenden, warum sie den Steine verwenden? Sie
sagten, die seien gut genug, die gehen schon hinab, sie müssten das
Blei sparen. So schossen unsere Begleiter eine grosse Zahl Feinde
zusammen und vertrieben dieselben zuletzt aus der Schanze. Die Toten
warf man auf dem steingen Grunde in ein Massengrab und deckte diese
leicht mit Erde zu.
Josef
Baumann (wie auch andere Leute aus der Gegend) fügt der Erzählung
seines Vaters noch hinzu: Die Stelle dieses Grabes kann man jetzt noch
in der Nähe der ehemaligen St. Nikolausenkapelle erkennen, und da und
dort kommen von Zeit zu Zeit Gebeine zwischen den Steinen zum Vorschein.
Durch Einfluss der Witterung wurde eines Tages auch ein Totenschädel
unweit dem Kirchweg in jener Gegend bemerkbar. Die Buben trieben damit
ihr Gespött und warfen ihn in das Schanztobel. Er rollte mit einem
merkwürdigen, übernatürlichen Gepolter in die schaurige Tiefe, aber
des andern Tages war der Schädel stets wieder am Wegrand zu finden. Man
berichtete den Vorfall unserem Pfarrer. Dieser sagte, der Kopf wolle
offenbar auf geweihtem Erdreich ruhen. Er nahm den Schädel und
versorgte ihn im Beinhaus bei der Pfarrkirche zu Wassen. Da hatte er nun
Ruhe. Es war auch sonst in der Nähe jenes Soldatengrabes nicht geheuer,
und es hat dort zuweilen Leute bstellt, und ein geheimnisvolles, nächtliches
Licht hat schon manchen Wanderer in die Steingand hinauf oder sonstwie
in die Irre geführt, bis ihn der Klang der Betglocke am Morgen
befreite. Seitdem man aber die Seelensonntage eingeführt, nahm der Spuk
ein Ende.
Müller,
Sagen aus Uri