Der vielleicht schönste Berg der Erde

 Das Matterhorn präsentiert sich in den Walliser Alpen als Grenzberg zwischen der Schweiz und Italien. Nach einigen vergeblichen Versuchen wurde der Gipfel des 4477 Meter hohen Massivs im Jahre 1865 erstmals erklommen.   Mittlerweile ist das markante, pyramidenförmige Profil des Matterhorns zum Symbol der Schweiz geworden, das sich auf Werbeartikeln und Souvenirs wiederfindet. Der prominente Berg, an dessen nördlichem Fuße die Ortschaft Zermatt liegt, verhalf diesem ehemaligen Bergdorf zum Status eines der berühmtesten Touristenorte der Schweiz. Heute ist Zermatt mit rund 5000 Einwohnern zu einer Kleinstadt angewachsen. Der markante dreieckige Gipfelkopf diente sogar der bekannten Schokoladenfirma Tobler als Muster für ihre "Toblerone".  Die Besteigung des meistbestiegenen Viertausender Europas wird oft auch unterschätzt Fazit: rund  400 Bergtote. Trotzdem: Als Bergsteiger das Matterhorn nicht bestiegen zu haben, gilt all Begriff alpinistischer Unvollkommenheit. Dies gründet nicht auf der Schwierigkeit seiner Bezwingung, sondern vielmehr seiner bezwingenden Form, seiner klaren Linien, seiner Schönheit. Guido Rey, der  1935 verstorbene, große italienische Bergführer und Schriftsteller beschreibt  den "Löwen von Zermatt " oder das  "Horu", wie ihn die Einheimischen nennen: "  Wenige Alpengipfel wirken so erhaben, so gewaltig ernst wie das Matterhorn. von Nordosten."  Weniger romantisch nannte ihn sein Berufskollege, der französische Bergführer Gaston Rébuffat: "Ein riesiger Trümmerhaufen".  In seiner Nordwand fanden 1969 auch zwei Urner den Bergtod. Die Geschichte  des Matterhorns reicht weit zurück.

 

1581

Das Matterhorn erstmals erwähnt als "Mont Cervin"

1647

Als "Monte Silvio" zum zweiten Mal genannt

1680

Auf einer Karte von Borgonia als "M.Servino" erstmals dargestellt

1682

Der Name "Matterhorn" wird erstmals verzeichnet

1861

Edward Whymper unternimmt von Breuil aus den ersten Besteigungsversuch, den er in den nächsten Jahren siebenmal erfolglos wiederholt

1862

Versuche auf das Matterhorn durch Kennedy mit Perren und P.Taugwalder (im Winter), den Führer M.Anderegg (über den Zmuttgrat), Tyndall mit Bennen, A.Walter, J.A. und C.Carrel (bis zum heutigen Pic Tyndall) und fünf Versuche Whympers, teils allein, teils mit Macdonald und den beiden Carrels

1865

Edward Whymper, Lord Francis Douglas, Charles Hudson und Hadow ersteigen mit den Führern Taugwalder (Vater und Sohn) und M.Croz am 14.7. erstmals das Matterhorn von der schweizer Seite. Beim Abstieg stürzen Douglas, Hudson, Hadow und M.Croz kurz unterhalb des Gipfels über die Nordwand tödlich ab. Drei Tage später erreichen J.A.Carrel, der größte Konkurrent Whympers, und J.B.Bich den Gipfel über den italienischen Grat

1868

Erste Schutzhütte am Matterhorn in ca. 3800 m, erbaut von Hotelier Seiler und der Sektion Monte Rosa des SAC. Erste Überschreitung des Matterhorns von Breuil nach Zermatt durch J.Tyndall mit J. und D.Marquinaz

1871

Erste Damen am Matterhorn sind Miß Lucy Walker (Besteigung) und Miß Brevoort (Überschreitung)

1874

Whymper ersteigt für photographische Arbeiten nochmals das Matterhorn mit J.A.Carrrel, J.B.Bich und Lochmatter

1880

Errichtung der unteren (heutigen) Hörnlihütte am Matterhorn (1915 erweitert)

1882

Erste Winterbesteigung und Überschreitung des Matterhorns von Breuil nach Zermatt (V.Sella mit J.A., L. und B.Carrel)

1889

Achille Ratti, der spätere Papst Pius XI., besteigt das Matterhorn

1890

J.A.Carrel, Konkurrent und Gefährte Whympers am Matterhorn, stirbt nach einer schweren Matterhorntour an Erschöpfung

1898

Eröffnung der Gornergratbahn

1911

Edward Whymper stirbt 72-jährig in Chamonix. Nach jahrelangen Versuchen wird das Matterhorn über den Furggengrat erstiegen (M.Piacenza mit J.Carrel und J.Gaspard)

1915

Bau der Solvayhütte am Matterhorn. Nur Notunterkunft!

1929

Fritz Herrmann-Wien durchsteigt allein die Westwand des Matterhorns. V.de Beauclair der unter anderem auch im Kanton Uri sich einen Namen machte, verunglückt tödlich am Matterhorn. ( Nünlist Maderanertal )

1931

 

Die Münchner Franz und Toni Schmid bezwingen die Nordwand des Matterhorns.

 

Anspruchsvoll

Heute machen sich jährlich bis zu 2500 Alpinisten auf, den Gipfel zu stürmen. Bis ganz nach oben schaffen es davon nur zwischen 1000 bis 1500 Geübtere. Denn das Matterhorn ist - anders wie es der große Touristenandrang vielleicht vermuten ließe - ein anspruchsvoller Berg. In einer Sommersaison kommen rund zehn Personen beim Versuch das Massiv zu erobern ums Leben.

Tipps:

Besteigung nur bei sicheren Wetterverhältnissen und  mit genügend alpinen Kenntnissen, seriöse Tourenvorbereitung, oder Bergführer verpflichten. Der Großteil des Weges bis zur Solvayhütte besteht aus ziemlich viel Schutt und entsprechender Steinschlaggefahr. Das Gelände ist nicht schwierig, aber äußerst lose. Den richtigen Weg erkennt man meist daran, daß  auf der klassischen Route der meiste Schutt schon abgeräumt ist. Dagegen haben irgendwo eingeschlagene Haken nur zu bedeuten, daß sich da mal wieder jemand verstiegen hat und keine andere Lösung gesehen hat als einen Haken zum Abseilen einzuschlagen. Bis zur Solvayhütte bleibt man immer mehr oder weniger links des eigentlichen Hörnligrats. Unterhalb Solvay die Moseleyplatte, mit einigen Sicherungsstiften. Nach Solvay geht's fünf Meter nach links und dann direkt aufwärts auf die obere Moseleyplatte. Von dort dem Grat entlang, manchmal nach links ausweichend. Eine Stelle mit Fixseil (meist Stau dort); danach folgt man dem plattigen Gelände aufwärts (gute, große Abseilhaken) bis zur Schulter, Hier wird der Grat meistens eisig, aber auch die Fixseile beginnen hier. Den Fixseilen entlang bis zum Beginn des "Daches". Ab hier in entweder steilem Schneehang oder auch mit Weg (je nach Verhältnissen) zum Gipfel. Abstieg Nicht unterschätzen - dauert etwa genau so lang wie der Aufstieg. Im oberen Bereich kann man gut abseilen; das ist aber im unteren schuttigen Bereich schwierig. Der ganze Weg ist aber immer sogenanntes "Absturzgelände", jeder Fehler wäre also möglicherweise der letzte. Von oben ist die Wegführung auch bei weitem nicht so leicht erkennbar wie von unten. Schon beim Aufstieg versuchen, sich genau alles einzuprägen, sonst gibt es im Abstieg tausenderlei Möglichkeiten, irgendwo im Nirwana zu landen.

Nicht unterschätzen

Die Besteigung des  Matterhorns ist trotz des Andrangs unerfahrener "Bergsteiger" nicht zu unterschätzen. Die Kletterschwierigkeiten bei guten Verhältnissen sind nicht besonders groß. Nach einem Wettersturz (der hier recht schnell kommen kann), sieht es aber anders aus. Die Wegfindung ist das Hauptproblem. Unterhalb der Solvayhütte gibt es genügend Möglichkeiten, sich zu verlaufen.