Namen des Krönten

Erstbegehungsgeschichte

 Blick zum Krönten vom Anstieg zum Sonnig Täler  Höhenweg

 Ansicht von Süden

links der Südturm,  der Winteraufstieg durch die Ostgratchäle verläuft rechts durch den Einschnitt hoch.

Blick über das Erastfeldertal; Bild www.giacomello.ch 
 

Rechts : Südturm

Bild: Krönten von Glatt Firn her, rechts Schneehühnerstock

 

Gipfel: "Der  breitere hat eine Oberfläche von 12 auf 8 Fuss, der andere ist etwas kleiner".( Sowerby)

     Krönten  3108 m 

Ansicht Erstfeldertal: links Chli Krönten, ( 2910 m)  rechts streckt sich der Schneehünerstock in die Höhe


           Abenddämmerung über dem Erstfeldertal     Bild vom Chli Glatten, Schächental, Bild www.busino.ch

Blick  gegen das Gornerental mit der hinteren Steinchälen, dem Schneehühnerstock und dem Krönten mit seinem vorstehenden Südturm.

          

Erstbegehungsgeschichte 

Noch fehlte im Erstfeldertal eine SAC Hütte und so nächtigte der anglikanische Reverent John Sowerby und seine Urner Führer Josef Maria Tresch und Ambros Zgraggen am Abend vor der Erstbesteigung des Krönten, am 3. Aug. 1868, auf der Eyenalp  am Fusse des Paukenstockes. Sowerby hatte mit dem Einschlafen keine Mühe, zusammen mit den beiden Führern hatte er am Morgen des gleichen Tages schon den Düssistock bestiegen. Anderntags wateten sie bei der Ebene des  Obersees durch kaltes, knietiefes Wasser und amüsierten sich beim späteren Aufstieg über die Streiche einer jungen Gemse. Ich dachte, so schreibt Sowerby, sie sei böse, weil sie ca. 20 yards hinauf und dann in zwei drei verrückten Sprüngen wieder hinuntersprang. Ich hatte weder vor noch nachher ein solches Gemsenspiel beobachten können. Auf dem Gletscher stiessen sie, immer links haltend, auf den leichten Westgrat des Krönten, noch etwa eine Viertelmeile vom Gipfel entfernt. Um 10 Uhr vormittags standen sie bei 10208 Fuss Höhe auf dem Gipfel des Krönten. Seltsam, schreibt Sowerby, der Gipfel befindet sich nicht auf dem eigentlichen Grate selber, sondern überragt diesen um nicht einmal 20 Fuss. Er besteht aus zwei kleinen abgeflachten Spitzen, die eine etwa 6 die andere etwa 10 Fuss hoch. Zwischen den Gipfeln befindet sich eine Spalte von ungefähr 4 Fuss. Der breitere hat eine Oberfläche von 12 auf 8 Fuss, der andere ist etwas kleiner. Leider verdarb ihnen der Nebel die Aussicht und nur einige Wolkenfenster boten schöne Bilder so dass sie, nachdem Ihnen der Weg nach dem Intschital zu steil schien, auf dem gleichen Weg wieder nach Erstfeld stiegen. Dort trafen sie um 6 Uhr im Restaurant „Klus“ ein, wo der Engländer Sowerby seine Führer entlöhnte und sich verabschiedete. Anderntags verliess der Reverent Sowerby per Schiff den Bergkanton Uri. 

gekürzt nach Alpine Journal,  Band IV/ Übersetzung: Maggie Püntener, Altdorf / © by johu  


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Er tönt eigenartig, der Name Krönten, jener 3000-er Gipfel im Erstfeldertal mit seiner gleichnamigen SAC - Hütte. Die Herkunft seines Namens liegt mehr als ein Jahrhundert zurück. Nach den Zeiten kriegerischer Ereignisse und wirtschaftlicher Depression erlebte Europa mit dem angehenden 19.Jahrhundert Aufbruchstimmung. Auf der Suche nach Schönheit entdeckten die Künstler wieder das Ursprüngliche, das Alpenreisen wurde attraktiv und durch den Bau bekannter Grandhotel gesellschaftsfähig. Noch aber fehlten genauere Orientierungshilfen. So suchten Topographen und Künstler nach bildhafter Veranschaulichung. 

Ein solcher Künstler, feinfühlig und klug, die Zeitbedürfnisse und das Glück seiner Begabung erfassend, war der aus Bielefeld stammende Deutsche, Friedrich Wilhelm Delkeskamp. Vor mehr als 170 Jahren durchstreifte der deutsche Kartenzeichner die Urschweiz. Er war dabei, sein „Malerisches Relief des klassischen Bodens der Schweiz” mit dem Blatt IV, enthaltend einen Teil des Engelberger Thals, den Surenen Pass, einen Theil des Reuss-Thals, das Erstfelder & das Mayen Thal im Ur Kanton Uri zu vollenden. Dabei skizzierte er auch im Erstfeldertal. Als Grundlagenmaterial stand ihm dabei der  Atlas Suisse“ zur Verfügung, der zwischen 1796 bis 1802 entstand. Delkeskamp hatte erstklassige Verbin­dungen. Der Kupferstecher Franz Hegi, der Reiseschriftsteller Gottfried Ebel, die Kartenstecher Samuel Johann Scheuer­mann und Heinrich Keller, ein Kleinmeister der Landkartenkunst, zählten zu seinem Freundeskreis. 

So enstand in den Jahren 1830 bis 1835 ein einzigartiges, topographisch-künstlerisches Bild der Urschweiz. Delkeskamp. stellt die plastisch-naturgetreue Darstellung von Landschaft aus wiss. korrekter Vogelschau-Perspektive und von Architektur in den Mittelpunkt des künstl. Schaffens. Handwerklich ist D. genialer Perfektionist - hinsichtlich des umfassenden Anspruches an sich und sein Werk bleibt Delkeskamp im 19. Jh. ohne Gleichen. Als Grenzgänger zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen ästhetischer Widerspiegelung von Natur und maßstabsgerechter Karten-Darstellung, wird sein Werk bis heute nicht angemessen gewürdigt.

Grossartig gestaltet sind die alpinen Regionen zwischen Surenenpass und der Urirotstockgruppe, wie der Kartenmeister Eduard Imhof 1978 in seinem Faksimile begeistert festhält. Delkeskamp stand dafür auf mehr als 700 Standpunkten, oft bis zu 9500 Fuß über Meer. 

Oft von Schnee und Eis umstarrt, oft von Nebelwolken eingehüllt oft von Regen überschüttet, stundenlang auf günstige Augenblicke wartend . Alte, längst vergessene Namen kommen beim heutigen Krönten zum Vorschein, wie der Name "Grindlet". Der Deutsche bezeichnete die auf dem Hautkamm aufliegende und noch unerstiegene Gipfelform wohl nach Angaben von Einheimischen Grindlet (Urner Mundart Grind - auf den Schultern aufliegender Kopf). Der Altdorfer Arzt und Naturforscher Dr. F. Lusser berichtet 1834 über das wenig bekannte und wirklich sehr sehenswerte Tal, bestaunt den prächtigen Wasserfall ebenso wie den Obersee, in welchen sich vom Gekrönten herabsteigender Firnschnee badet und meldet :„freilich, Wirtshäuser sind im Thal keine. Dann schilderte der Erstbegeher des Gross Scherhorn’s, der Basler Georg Hoffmann, in seiner Veröffentlichung,  Wanderungen in der Gletscherwelt“ 1843 den Krönlet. Der erste Präsident des SAC, Rudolf Simler hinterliess 1871 die Nachricht: "am Eispalast des Krönlet".  Der Basler Prof. Schiess- Gemuseus, der 1876 beim Übergang vom Erstfeldertal in’s Leutschachtal den Leidseepass nicht fand, berichtet: "an die sich der Krönte, wie er jetzt richtig heisst, ehemals Kröntlet genannt, anschliesst ".       

1883:  "sobald man dem Gipfel näher kommt, begreift man leicht, woher die Namen Krönte, Krönten und Krönlet stammen. Der eigentliche langgestreckte Bergrücken ist auf der der höchsten Stelle mit einem thurm-ruinenartigen Belvédère gekrönt, das sich noch ca. 8- 10 Meter über den Hauptgrat erhebt. Südlich hinter diesem Belvédère durchzieht sich der Hauptgrat. Denkt man sich an Stelle des schmalen ca. 4 Meter langen Grätchens, das beide verbindet und an dessen bei­den Seiten jähe Kehlen in furchtbare Abgründe hinunter führen, eine Fallbrücke, so hat man ein vollständiges Bild einer alten Raubritterburg."

1892:  entlang der Felsenmauer des Ruchen und Krönlets. Ganz nahe schien uns das ersehnte Ziel. Vielzackig einer Krone gleich oder noch besser bugartig zeigt sich die Spitze“. 

Zusammengefasst: 

1830  Grindlet 
1875  Kröntlet 
1843  Gekrönter 
1876  Krönten 
1871  Krönlet 
1965   Krönten

 Die erste Nennung Grindllet bezeichnet: auf den Schultern seiner Grate aufliegender Grind(let).

Ob man sich dann im übertragenen Sinne eine Krone,- ein gekröntes Haupt  oder ob der Name

im Zusammenhang mit Sagezähnen zu sehen ist, die Krone an den den Zähnen der Säge neu

ausstemmen‘ (UNB) - der kronenartige Gipfelaufbau ist ohne Zweifel Pate bei der Namensgebung Krönten.

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Literatur: Delkeskamp: Dr. Rolf-Barnim Foth, 2/1999; in: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 25, Leipzig: Saur Vlg 2000 © by Sepp Huber