Im
Isenthal standen für Naturgeniesser, Bergsteiger und Alpinisten
die Söhne des letzten Bärentöters, Josef Anton Infanger als Bergführer
zu Diensten. Einer davon war
Hans Infanger, der 1834 den Zürcher
Gebirgszeichner und Alpinisten Zeller- Horner auf den Uri- Rotstock
begleitete. Später war er viele Jahre Ratsherr der Gemeinde Isenthal.
Als aussergewöhnlich guter Führer wird sein 1793 geb. Bruder, Karl
Josef Infanger geschildert. Von mittlerer, eher kleiner Statur war der
"Karli - Sepp", breitschultrig, untersetzt und offenherzig und
hauptberuflich als Schreiner und Besitzer der neuen Sägemühle tätig.
15 Kinder, darunter 12 Knaben wurden ihm geboren, alleine nur deren 10
Kinder überlebten. Mit 45 Lebensjahren hatte er bereits 144 Gämsen
erlegt, derweil sein als treffsicher bekannter Vater neben dem Bären
145 Gämsen erlegte. Als
1888 die Tätigkeit des Bergführens eine kantonale Bewilligung
erforderte, wurde diese als Lokalführer für Michael Gasser und Albin
Infanger, Isenthal und Umgebung, sowie Baumann Josef Maria, Geisswang
Seelisberg für den Urirotstock über den Hangbaum, erteilt. Zwei
weitere Bewerber mussten, weil zu jung, abgewiesen werden. Die
Bewilligung als Lokalführer erhielt auch Johann Gasser, Wirt zum
Tourist. Mit Datum vom 21. April 1894 wurden die Isenthaler Aschwanden
Jost
und Aschwanden Josef als Lokalführer patentiert, darauf folgte
Aschwanden Karl. Der erste Weltkrieg stoppte die die Nachfrage und es
dauerte Jahrzehnte, bis sich mit
dem Gründer und heutigen Leiter der Bergschule "Montanara", Alois Infanger, das
Bergführergewerbe
im Isenthal neu etablierte. "Am 29. Mai 1820, entdeckte ein Geissbub im Walde unter dem Horn hinter den Dorf Isenthal einen ungeheuren Bären. Er hielt die Bestie für den „Flüelerteufel“, womit man dort die Kinder schreckt. Aber als sein Meister das Tier erkannte und darüber vor Schrecken fast ohnmächtig ward, eilten 14 Mann von allen Seiten in den Wald und erlegten ihn im 3. Schuss. Auf den ersten Schuss, den er vom ältesten Jäger des Tales, Kirchenvogt Josef Anton Infanger erhielt, brüllte er, dass die Felsen erbebten und gab einen Gestank vor sich, den man im Dorfe roch und rollte in den Bach hinab, wo er vollends getötet wurde. Den folgenden Tag wurde er im Triumph nach Altdorf gebracht. Er wog 265 Pfund und hatte nichts im Magen, wohl aber noch etwas Schafwolle im Darmkanal. Im Kiefer hatte er noch Reste einer Bleikugel eingewachsen seit lange her. Der Pelz war graubraun, die Extremitäten dunkler braun. Das Fleisch, wovon ich gebraten auch verkostete, war weiss, aber ekelhaft süsslich.“ Infanger erhielt vom Urner Landrat eine Abschussprämie von einem Louisdor. Über 400 Bergbesteigungen konnte der Berner Literat A. E. Türler vorweisen und dennoch beeindruckte ihn die Aussicht des Urirotstocks derart, dass er 1890 beim Eisenbahndepartement ein Konzessionsgesuch für ein Bahnprojekt einreichte. Diese sollte von Bauen oder der Isleten durchs Kleintal oder den Sassigrat und durch einen 2400 Meter langen Tunnel auf den Punkt 2880 des Urirotstockes führen. Euphorisch wird die Aussicht veranschaulicht. Sie sei die ergreifenste aller Schweizer Aussichten, mehr als 8000 Fuss über dem tiefgrünen Vierwaldstättersee übersteige die Wirkung fast die Grenze der Fantasie Der Fremdenverkehr würde wirksam angekurbelt und Uri den berechtigten Ruhm, den Ausserwählten unter allen europäischen Bergen in seinen Gemarchungen zu haben. Den Urirotstock haben die Isenthaler heute noch und wer an einem nasskalten Tag seine Gipfelrundsicht in der warmen Stube geniessen will, klickt aufs Internet. "Ohne einen ortskundigen Führer hätte er den Weg ins Isenthal niemals geschafft, berichtet 1833 der Schwzer Landamann Franz Xaver Weber. "Von Bolzbach steigt der Weg durch schöne Buchenwälder, in welchem eben die Bauern Baumnüsse sammeln. Weiter wird der Weg sehr steil, selbst lebensgefährlich bis zum Frutt Käppeli, auf der Spitze eines Bergahorns. In Isenthal gab man mir einen Knaben als Führer nach der Isleten mit. Der Pfad ist sehr steil und unheimlich. Er führte mich etwa drei bis vier Klafter lang (ca. 6 - 8 Meter) auf einem kaum vier Zoll breiten Band 8 (ca. 12 cm) ohne jeden Halt. Mit Gottes Hülfe gelangte ich hinüber". Auch die Gottesleute und die für ihre Härte bekannten Kapuziner riskierten den Weg ins Tal nur mit ortskundigen Führern. Erst 1842 konnte durch eine Fronarbeitsaktion der Zugang von der Isleten nach dem Isenthal markant verbessert werden. Jeder Haushalt hatte ein oder mehrere Männer einen Tag lang zur Verfügung stellen "jedoch keinesfalls nur einen unnützen Buben zu schicken". In der Helvetik war auch der ansonsten gut unterhaltene Landweg von Bauen nach dem Isenthal in einem miserablen Zustand. Gemeindepräsident Josef Aschwanden 1802: "Die ehemals von einer vätterlichen waisen Obrigkeit besorgte Strasse durch Bauen ins Isenthal ist der Zeit & Fahrlosigkeit der abgestandenen Regierer unterlegen, ist aus dem höchst möglich guten Fahrweg zur grausig gefährlichen Gande geworden". Und der Isenthaler Pfarrer Joseph Baumann klagte im Dezember 1840, wie in Isenthal die Polizey und Sittengesetze auf eine schändliche Weise übertreten werde. Die Verschwendung und Liederlichkeit herrsche "in einem höchsten Grade". Die Wirtinnen Josepha Baumann und Maria Gasser könnten in ihren Wirtshäusern "ganze Nächte lüderliche Menschen spielen, lärmen & saufen lassen. (.. ) Krämer können im Isenthal ungescheut ihre Waaren feil halten an Sonn- und Feyertagen; dies geschieht öfters in den Wirthshäusern, wo gekauft und verkauft wird. Das Dorfgericht sieht diese Unfugen und gestattet sie." Trotzdem blieb es vor dem Bau der Axenstrasse ein wichtiger Etappenort am alten Landweg Stans - Seelisberg - Seedorf. Erst 1901 wurde eine Fahrstrasse von der Isleten nach Isenthal gebaut, und die Lastträger wurden durch Maultiere ersetzt. Bereits 1904 wurde eine Postkutsche in Betrieb genommen. Und als schliesslich 1951 die Verbindungsstrasse Isleten - Seedorf eröffnet wurde, gab es neue Verdienstmöglichkeiten, so dass heute etwa ein Achtel der Isenthaler Bevölkerung (580 Einwohner) als Pendler im Raum Altdorf arbeitet. Die Abgeschiedenheit des Isentals fand also erst im vergangenen Jahrhundert ein Ende. Immerhin konnte es seinen herben Charme, seine Verträumtheit bis auf den heutigen Tag erhalten. Heute ist das ruhige Bergdorf mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen und gilt als Ausgangspunkt für zahlreiche lohnende Wanderungen. ©
by johu
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