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Der Sankt Gotthard

von Eduard Renner (* 1891; † 23. Juni 1952) Urner Arzt und Ethnograph
"Am Gotthard zerschellen alle Werte"

Ein Ausflug zum Hospiz auf der Gotthard-Passhöhe (2088 m ü.M.), im Herzen der Alpen, erschließt dem Touristen eine eindrucksvolle Berglandschaft. Der Blick schweift bis zum ewigen Schnee, zu den höchsten Gipfel und über einen weiten Horizont. Ein bequemer Spaziergang rund um die Bergseen am St. Gotthard lässt die rundlichen, abgeschliffenen Felsblöcke erkennen, die oft charakteristische Striemen in der Längsrichtung aufweisen, die von der abschleifenden Wirkung der von den Gletschern bewegten Massen herrühren. Die Felsen der Umgebung sind von gut sichtbaren gelb-orangefarbenen oder grünen Flecken bedeckt, die den Flechten zuzuschreiben sind. Flechten werden von grünen oder blauen Algen und Pilzen gebildet, die in Symbiose zusammenleben. Ihr Wachstum ist äußerst langsam. Die Flechten setzen sich auf den Felsen fest und bereiten den Boden vor für anspruchsvollere Pflanzenarten Moos, Farne und blühende Gräser. Hier gedeihen auch Pilze, die das rauhe Klima ertragen, das von starken Temperaturschwankungen und oft stürmischen Winden gekennzeichnet ist. Die Pilze erscheinen im kurzen Bergsommer in Symbiose mit Zwergsträuchern wie Alpen-Azaleen, Silberwurz und Zwergweiden. Das Museum auf der Gotthard-Passhöhe eine reichhaltige Dokumentation über die Natur und die Geschichte der Gegend. Erfahrene Berggänger können vom Gotthard aus den Lucendro-Staudamm (2080 m) erreichen, am See entlang weiter gehen und eine Tour unternehmen, die durch Geröllfelder bis zur Vegetationsgrenze führt. Nach dem letzten steilen Aufstieg ist über den Bergkamm der Gipfel des Pizzo Lucendro (2962.4 m) erreicht.

Quelle:1990 - Introduzione al paesaggio naturale del Cantone Ticino