| GV in Göschenen 2002
Bergfuehrergeschichten
Wechsel beim Bergführerverein Uri
Die Urner Bergführer blicken auf ein durchzogenes Jahr zurück.
Am Samstag, 2. November, trafen sich die Mitglieder im Gasthaus
Göscheneralp im Gwüest zur ordentlichen GV. Die Versammlung
wurde zum letzten Mal von Präsident Toni Fullin geleitet. Neu
steht Markus Wyrsch an der Vereinsspitze.
Toni Fullin zeigte sich erfreut, dass neben zahlreichen Bergführerkollegen
Polizeidirektor Peter Mattli, Verantwortlicher für das
Rettungswesen und die Bergführerpatente im Kanton Uri, sowie
Robi Christen, Präsident der befreundeten SAC-Sektion Lucendro,
an der GV teilnahmen. Das Bergführerjahr 2002 bezeichnete Präsident
Toni Fullin als durchzogen. Anfangs Winter wollte der Schnee
einfach nicht kommen. Im Frühjahr präsentierten sich dafür
die Verhältnisse hervorragend. Der Frühsommer zeigte sich von
der besten Seite. Die folgenden Monate inklusive der Herbst
waren schlicht und einfach eine Katastrophe. Die stabilen schönen
Tage fehlten. Er hoffe zuversichtlich auf eine bessere kommende
Saison. In einer Schweigeminute wurde der verstorbenen
Berufskollegen gedacht.
Im Weitern durfte Präsident Toni Fullin Iwan Infanger zur
bestandenen Bergführerausbildung gratulieren. Iwan Infangers
bergführerischen Leistungen im jugendlichen Alter seien schon
sehr gross, was schweizerisch zum besten Prüfungsabschluss führte.
Mit Erfolg hatte Paul Gnos, Erstfeld, den Aspirantenkurs
abgeschlossen. Die kurzen Informationen aus dem Zentralvorstand
zeigten auf, dass auch auf der höchsten Ebene nicht immer alles
rund läuft. Der Berner Bergführerverband möchte höhere Führertaxen.
Die Sponsorensuche sei auf schweizerischer Ebene härter
geworden. An der Präsidentenkonferenz in Zürch wurde eine
Statutenänderung mit zwei Varianten vorgestellt. Toni Fullin
entschied sich für Variante zwei, die eine gewisse Öffnung in
der Wahl des Zentralvorstandes bringt. Die
Delegiertenversammlung des Schweizerischen Bergführervereins
(SBV) findet am
16. November im Stockalperpalast in Brig statt, mit
anschliessendem Bergführerfest.
Nach über 20 Jahren Tätigkeit in irgendeiner Form für den
Bergführerverein Uri sei es Zeit, einer neuen Kraft Platz zu
machen. Toni Fullin wünschte am Schluss seines vierten und
letzten Jahresberichtes seinem Nachfolger alles Gute, verbunden
mit der Hoffnung, dass er mit seiner Motivation junge Bergführer
zum Mittragen im Bergführerverein Uri animieren könne.
Gesunde Finanzen und Wahlen
In Abwesenheit von Kassier Walter Gehrig berichtete
Rechnungsrevisor Sepp Huber über eine gesunde Finanzlage. Das
Vermögen stieg dank Ausgabendisziplin um 1`822 auf 13`657
Franken an. Im Unterstützungsfonds sind 12`122 Franken. Die
Rechnung wurde genehmigt. Aus dem schriftlichen Bericht von
Franz Gisler, Präsident der TK, konnte entnommen werden, dass
die Funktionen der Kommission infolge Veränderungen im
Schweizerischen Bergführerverein auf Ende Jahr überflüssig
werden. Veränderungen werden in den Kaderkursen stattfinden.
Der Qualitätsprüfung werde besondere Beachtung geschenkt. Bei
den Wahlen fand der abtretende Präsident Toni Fullin in Bergführer
und Kröntenhüttenwart Markus Wyrsch einen tüchtigen
Nachfolger. Walter Gehrig, Seelisberg, trat als Kassier zurück.
Neu setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: Präsident
Markus Wyrsch, Erstfeld (neu), Sekretär Andi Banholzer, Göschenen
(bisher), Ueli Arnold, Schattdorf (neu), Pius Gnos, Wassen
(neu), und Heinz Müller, Schattdorf (neu). Die Chargen werden
innerhalb des Vorstands verteilt.
Klettersteig im Rynächt
Unter «Verschiedenes» orientierte Toni Fullin, dass aus
privaten Kreisen die Realisierung eines Klettersteiges im Rynächt
im Gespräch sei. Das Anliegen sei über die SAC-Sektion
Gotthard an den Vorstand des Bergführervereins Uri
herangetragen worden. Die Kosten für die Realisierung und den
Unterhalt seien gross, auch müsse die Umweltbelastung berücksichtigt
werden. Die tiefe Lage und der trockene Fels seien ein Pluspunkt
für den Standort. Für die Urner Bergführer könnte die
Realisierung eine Chance sein. Die Korporation sei touristisch
interessanten Projekten gegenüber positiv eingestellt, betonte
Allmendaufseher Hans Tresch. Der neue Vorstand erhielt die
Aufgabe, das Projekt zu studieren und ein eventuelles Mitmachen
an einer Versammlung vorzuschlagen oder der SAC-Sektion Gotthard
mitzuteilen.
Bei den militärischen und touristischen Tätigkeiten auf der
Furka und auf der Oberalp sind Veränderungen im Gange. Der
Betrieb der privaten Gaststätten sei nicht für alle Zeiten
gesichert, und das Militär möchte seine Unterkünfte
verkaufen. Toni Fullin sieht darin für die Bergführer eine
interessante Gelegenheit, sich etwas aufzubauen. Präsident Robi
Christen überbrachte die Grüsse der SAC-Sektion Lucendro und
freute sich über die gute Zusammenarbeit. Regierungsrat Peter
Mattli erwähnte, dass die Bergführerausbildung dem EU-
Standard angepasst und die Patente europaweit anerkannt würden,
obwohl die Schweiz nicht der EU angehöre. Neu wird der Beruf
des Bergführers vom Biga anerkannt.
Der neu gewählte Präsident Markus Wyrsch dankte für das
Vertrauen, das seine Berufskollegen ihm schenkten. Für die 23
Jahre, die Toni Fullin im Vorstand mitgewirkt hat – vier Jahre
davon als Präsident –, danke Markus Wyrsch im Namen aller 54
Urner Bergführer. Orientiert wurde weiter, dass noch keine
Bewerbungen für die Bewartung der Leutschachhütte der
SAC-Sektion Zimmerberg vorliegen. Die Verantwortlichen würden
es schätzen, wenn sich für die interessante Aufgabe Personen
aus der Region finden liessen. Mit der Ankündigung, dass man
sich am 26. Oktober 2003 zur ordentlichen GV beim Bergführerkameraden
Sepp Inderkum im «Tiefenbach» treffen werde, wurde zum
kulinarischen und gemütlichen Teil eingeladen.
Urban Camenzind, Urner Wochenblatt
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