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Jener vierjährige, pausbäckige Junge mit einem grossen Stück Käse im
Mund, der 1839 im Etzlital scheu einen fremden Gebirgszeichner
anglotzte, dieser Bub war der später durch seine Lebensweise auffallende Felli
-Tresch. Zunächst lebte Johann Josef mit seiner Familie, aus der drei Töchte
geboren wurden, im Etzlital und übersiedelte später auf die „ hintere
„Seite des Bristenstocks, auf den Felliberg. Nach dem Tod seiner Frau
trieb ihn finanzielle Not mit vier noch verbliebenen Geissen weiter ins
Tal nach „Hütten“ und wiederum taleinwärts trottend bezog er am Ronastutz
auf 1388 m sein Refugium. Hinter einem mächtigen Felsblock stand dort ein halb
zerfallenes Hüttlein. Und weil dessen Besitzer verschollen war, nahm der Johann
Josef Tresch hier Unterschlupf. Notdürftig reparierte er das Dach, setzte
Fenster ein und konstruierte eine Art Ofen. Hier verbrachte der Einsiedler,
inzwischen geringschätzig „ Felli- Latz“ genannt viele Jahre der
Abgeschiedenheit. Sein Besitz beschränkte sich auf das allernötigste
Kochgeschirr, etwas Werkzeug, seine Geissen und eine alte Drehorgel, welche die
Tell- Ouvertüre, den Freiburger Kuhreihen und den Faustwalzer spielte. Und wenn
es gar zu einsam wurde, sang er dazu das Napoleonslied oder von der Jungfrau
Maria, sodass man Gänsehaut bekommen hätte. Wer aber sah, von welch tiefem
Ernst und Glauben sein Gesang war, der mochte ihn nicht stören. Überhaupt war
der der Felli- Tresch rührend schlicht, gab sich fröhlich und sang als
aufrichtiger Christ gerne Kirchenlieder. In Alpinistenkreisen war er trotzdem
ein geschätzter Bergführer, dem man sich ruhig anvertrauen konnte. Mit seinem
Bruder Josef Maria war er 1865 erstmals auf dem Piz Nair und der Urner Führer
nennt vom Fedenstock bis zum Sonnig Wichel über ein Dutzend Erstbegehungen auf
das Konto von Felli- Tresch.
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Dieser
war schon durch die äußere Erscheinung ein Original. Über 180 cm gross, breit
und schwer gebaut, mit zu kurzen Hosen, einem alten Kittel, dem schweren Filzhut
auf dem Haupt und riesige, mit Nägeln und Eisen beschlagene Holzböden an den Füssen,
hat seine Gestalt manch mitleidiges Lächeln gefunden. Zu verschiedenen Malen
war er mit dem Zürcher Alpinisten Carl Seelig in den Urner Bergen.
Er schrieb von seinem Begleiter: „ Er hatte nicht etwa Bergschuhe –nein-
gewaltige Holzbodenschuhe Riesendinger, wahre Kähne, sodass wir oft nicht
begreifen konnten, wie der Alte durchkam“. Wer ihn aber als Führer erleben
durfte, wie er mit seinen unförmigen Schuhen die schwersten Hindernisse überwand,
dem verging bald das Lachen. Als Strahler wies der Felli-Tresch beachtliche
Funde aus, doch am Fedenstock verliess in der Instinkt. Kriechend war er daran,
eine Kristallhöhle ausbeuten, als sich ein Teil der Höhlendecke löste und ihm
die rechte Hand und ein Teil seines Arms eindrückte. Erst nach stundenlangem
Zerren und Reissen gelang es ihm, seine zerquetschte Hand zu befreien die, ohne
jegliche ärztliche Hilfe verstümmelt blieb.
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1902
unternahm Felli- Tresch mit dem jungen Zuger Alpinisten Schillig eine Tour auf
Bristenstock. Beim Abstieg durch den Hilferuf eines anderen Touristen
beunruhigt, kletterte Tresch ostwärts ab. Sein Zuger Gast, dem der Felli-
Tresch von unten zurief, er könnte nicht mehr zurück, wartete auf dem Grat
vergeblich auf dessen Rückkehr und suchte auch anderntags in Bristen
umsonst nach dem fehlenden Tresch. Auch Bergführer J.
Zgraggen fand am Mittwoch die Hütte des Einsiedlers verschlossen. Ebenso vergeblich
waren die Nachforschungen des langjährigen Vertrauten von Fellitresch, Dr. F.
Weber, AACZ. Der Felli Tresch musste verunglückt sein. Erst 19 Jahre später,
am 20. Oktober 1921, fand Albin Indergand aus dem Ried in Amsteg, über der Chlüseralp
im Etzlital die sterblichen Überreste des am 28. Sept.1902 verunglückten
Felli- Tresch. Seine Gebeine ruhen auf dem Friedhof von
Amsteg. Indergand selber war 1890 beim „ Strahlnen „ verunglückt und verlor
dabei sein rechtes Bein sodass er seither mit einer Holzprothese leben musste.
Gerettet hatte ihn damals der Felli- Latz. Noch heute aber erinnert die nach dem
Felli- Tresch benannte Treschhütte SAC, Sektion Am Albis, im Fellital an den
eigenwilligen und freiheitsliebenden Johann Josef Tresch.
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Bericht
über den Leichenfund des Herrn Johann Josef Tresch, Fellithal |
Handschriftliche Bericht von der jüngsten Tochter des
Finders Albin Indergand
Bergführer
Johann Josef Tresch, Felli- Tresch, der am 28. September 1902 am Bristenstock
verunglückte und am 20. Oktober 1921, 3 - 400 m oberhalb des sogenannten
Firenplätz im Etzlichlüser aufgefunden wurde, konnte dank der diesjährigen außerordentlichen
Schneeschmelze geborgen werden. Seine Überreste in Kleidern war ein kaum
ersichtliches Gewebe über die Knochen, nachher fand man aber beide Schuhe merkwürdigerweise
ziemlich gut erhalten. Des linken Fußes Gebeine befanden sich noch in selbem
Schuhe. Etwa zwei Meter von den Gebeinen entfernt, lag der Schädel unbeschädigt.
Beide Oberschenkel sowie der linke Unterschenkel waren ohne Brüche, der rechte
Unterschenkel war aber gebrochen. Die Arrmgebeiner waren die meisten in mehreren
Stücken, auch die Rippen wiesen bereits alle Brüche auf. An den Gebeinen der
Finger befanden sich die beiden Ringe. In weiterer Barschaft wurde gefunden, das
Zeichen eines silberdrähtenen Rosenkranzes, Silber, ferner ein Turnerzeichen
mit der Jahrzahl 1900 sowie das Taschenmesser, welches sich nebst Fr. 4.83 im
Geldsack befand, letzterer stark verfault. Die Ledertasche ( Provianttasche)
befand sich ca. 30 Meter von sämtlichen Gegenständen an einer Felswand, da sie
mit einem Riemenhänger geblieben war, auch der Hosengurt war daselbst. In
selber Ledertasche waren vorhanden die Fußeisen und ein wenig Watte, auch von
der Schneebrille waren noch kleine Reste, so man glaubte von einer Konservebüchse.
Die Gebeine des Herrn Tresch ruhen auf dem Friedhof in Amsteg.
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