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Wandern ist Entfaltung der Sinne

          

Das Wandern in Uri ist geheimnisträchtig. Schon Anfang des Jahrhunderts hat der erfahrene Schweizer Berg- Aktivist Charles Widmer in einem Artikel über den Weginstinkt  mit verblüffenden Beobachtungen aufgewartet. 

So folgen Wanderer bevorzugten Routen nach seinen langjährigen Beobachtungen nahezu ehernen Gesetzen, etwa indem sie rechtseitige Aufstiege bevorzugen, so schnell wie möglich Höhe zu gewinnen trachten und den erreichten Horizont möglichst nicht mehr preisgeben.

 Der Wanderer verlangsamt regelmäßig seinen Schritt, wenn er in den Schatten tritt, macht lieber vor als jenseits eines Hindernisses Rast und braucht für die gleiche Strecken des Nachts weniger Zeit als bei Tag. 

Diese Feststellungen lassen sich ergänzen, dass ein leichter Anstieg das Gruppentempo ebenso beschleunigt wie das Wissen und die Nähe des Ziels oder das Zurückfallen des Führers am Schluss der Gruppe. 

Hier werden archaische Verhaltensmuster mobilisiert, über deren Wirkmechanismus wir bisher nur unzureichend Bescheid wissen. Erst in den letzten Jahren hat die Wissenschaft die Bedeutung der Bewegungssinne erschlossen, die beim Wandern eine maßgebliche Rolle spielen. Danach verfügen wir neben unseren fünf Sinnen, dem Temperatur- und Schmerzsinn gleich über mehrere zusätzliche Nervensysteme, die unsere Lage im Raum, Drehungen, Muskelspannungen oder Gelenkbeugungen registrieren und steuern. 

Dies erfahren wir besonders dann, wenn wir vor lauter Reden nicht mehr auf den Weg achten und dennoch über alle Unebenheiten hinweg sicher zum Ziel getragen werden. Noch deutlicher wird dies bei Nacht. Ohne künstliche Lichtquellen bewegen wir uns durch dunklen Wald, ohne sonderlich zu stolpern, tatsächlich zügiger als bei Tage. Hier springen andere, ungewohnte Sensoren für die Augen ein, die großteils über das Unterbewusstsein agieren.  (R. Bramemer)

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