Emil Epp  (1899-  1981)
Hüttenwart, Bergführer und Skihersteller

Text: copyright by Sepp Huber

Die Familie Epp

Die Schüler des Kollegiums Schwyz senden auf der Rückseite dieses Bildes ihrem ehemaligen Mitschüler Emil Epp die besten Grüsse.

Vater Josef Maria ( links) und Emil

Emil Epp

Zeichnung Sepp Huber

   Foto Althaus

Album: Tochter Marie- Theres Lang- Epp


Alpine Unterkünfte brauchen für Schutz und Schirm zwei Engel: himmlische und weltliche. 1920 wurde die alte Kröntenhütte durch einen Wächtenabbruch stark beschädigt. Für die neu erstellte Hütte verfasste die Sektion Gotthard SAC einen Hüttenwartsvertrag und schrieb die Stelle aus. Gewählt wurde 1922 aus sechs Bewerbern Emil Epp, Schreiner, vom Kohlplatz aus Bristen und weil sein Vater Josef Maria im Winter Schuhe reparierte und während des Sommers Fischfang betrieb, nannte man diese Familie “z’Schuhmachers”. 

 

Josef Maria Epp, der Vater von Emil (Aufnahme 1948, Werbung und Propaganda für die neu einzuführende AHV)

 

Zum 80. Geburtstag von Emil Epp

Eigentlich wollte der 1899 geborene Emil Lehrer werden, doch seine gesundheitliche Entwicklung und die wirtschaftliche Lage des ersten Weltkrieges verhinderten diesen Abschluss. Emil, der Schreiner, der Hüttenwart, der Bergführer, der Skifabrikant, der Kunsthandwerker, der Jäger, der Schütze, der Fotograf, der listige Erzähler, der Denker,  der Zyniker, der Ehemann, der Familienvater. Ein Individualist seltener Prägung, der während 46 Jahren,  von 1922 bis 1967 dem Geschehen auf der Kröntenhütte eine besondere Note verlieh. (Foto Althaus)   

Das Schicksal warf mich in die Berge zurück.
Auch hier erfüllte ich meine Mission.  

Noch ledigen Standes begann mit 23 Jahren seine Tätigkeit als Kröntenhüttenwart mit einem Vertrag, der viel Pflichten und wenig Entgelt beinhaltete, doch der  idealistische Status als Hüttenwart schien manches auszugleichen. 1927 erhielt er das lokale Bergführerpatent  und 1930 nach absolviertem, 3-wöchigem Urner Bergführerkurs, Albert-Heim-Hütte und Furkagebiet, - dem letzten im Kanton Uri - unter der Leitung von Dr. C. Täuber, das Berg- und Skifüh­rerpatent 1. Klasse. Ausgerüstet mit listigem Scharfsinn war der Bristner Archetyp Emit lange Jahre ein gewissenhafter und sozial handelnder Hüttenwart und gleichzeitig ein geschätzter Bergführer. Unterhaltsarbeiten und Reparaturen gleich welcher Art an und in der Hütte -natürlich mit eigenem Werkzeug- waren seine professionelle Stärke. Zudem hatte man hatte immer das Gefühl, die Hütte gehöre ihm und er zu ihr. Er hat gestrichen, gemauert, geschreinert, Steinplatten neu unterlegt, die  Hüttenwege ausgemäht, Dachschindeln nachgestossen usw. Gründlich wurden die Petrollampen geputzt, das regelmäßige Aufziehen der „Stubenuhr“ gehörte zum Samstagsritual und die Pflege des Rettungsmaterials war für Emil  mehr als Verpflichtung.  

Natur beobachten- Menschen studieren- Dich kritisieren.

Dazu war der zähe Emil ein ruhiger und sicherer Berggänger, der im alpinen Gelände zuhause war, losstampfen war nicht sein Ding, denn wer in den Bergen stürme, schlage den Kopf an. So konnte er mehrere Stunden unterwegs sein ohne zu rasten, sein Gang war nicht kräfteraubend, dafür galt seine Wahrnehmung der Umgebung und dem Gelände umsomehr. Für Naturvorgänge entwickelte er eine außerordentlich tiefe Sensibilität, hatte grosse Selbstsicherheit und verfügte dank seiner psychologischen Begabung über grosse Menschenkenntnisse. Dies spürten all’jene, mit denen er auf Touren war oder die Emil auf seinem Rücken im „Grammimger-Sack“ zu Tale tragen musste. Vertraut mit der nahen Bergwelt kannte er als Bergführer und Jäger die Schloffen, Klüfte und Felsrouten des Erstfeldertales wie die tiefen Taschen seiner Lodenjacke und aus mancher Führertour entstand langjährige Freundschaft. 

 

Bergführer Emil Epp

 

41 Jahre übte er den Bergführerberuf aus, präsidierte nach verschiedenen Vorstandstätigkeiten von 1943 bis 1950 den Urner Bergführerverein und wurde später deren Ehrenmitglied. Oft zog er sein Bergseil in den Abseilring des kleinen Spannort’s, kletterte mehrmals die Schlossberg- Südwand, daneben war der Krönten sein Hausberg, gerne bewegte er sich im Gebiet des Schlosskessels und in den Sonnigstöcken. Dies liest man auch in seinem Führerbuch, das 1927 begann und 1970 endet, vielen war er ein „alter und bewährter Freund“! 

Wir lügen nicht- wir bagallisieren oder dramatisieren! 

 

Als sehr guter Skifahrer setzte er seine unerreichbar gefahrenen Telemark als Schreiner beruflich um und spezialisierte sich in der Werkstatt in Niederhofen, im Anwesen vom Huber Hans, dem „Seebi Hans“ auf die Herstellung von Skiern “Marke Epp Spezial“. Vorwiegend im Winterhalbjahr schreinerte er vielfältige Nischenprodukte, immer suchend nach eigenen Ideen. Daneben reparierte er Vorunterrichts- Skis und gebrochene Skispitzen gleich dutzendweise.

 

Emil, der Skifabrikant

In der Werkstatt lag der Geruch von rotem „Lucendro- Skilack“, vermischt mit Laubholzgeschmack von gefertigten Stabellen, Traggabeln, Zapinhälblig, Horäschlittä, Truhen mit Kerbschnitzereien usw. Und Emil war gut, denn er hatte für den Zuschnitt eines “zölligen Holzladens deutschen Masses“ mit einer Schreinersäge einen Vorschub von 5 cm pro Stoss. „Jah- jaah“ kommentierte er diesen Zug. Emil war ein gedanklicher und handwerklicher Tüftler.  

Die Jugend ist die Zukunft. Sie ist einer aufgehenden,- ich einer untergehenden Sonne gleich.  
Holz der Heimat, Heimat die mich liebt und braucht .

 

Äußere Kenzeichnen typisierten den „späten Emil“: kurzer Oberlippenbart, geneigter Gang, einen Lodentschoppen, auf dem Hinterkopf ein gelismetes rundes Chäppi, unter dem die wenigen, schlohweissen Haare wild und ungestüm ihre Freiheit suchten. (Ich wett ich hät’ dis’ Haar und mys’ Hirni“) und eine Tabakpfeife. Für Attribute hatte er ohnehin etwas übrig. Oberhalb der Hütte stand auf den Steinplatten ein mannshoher Legföhrenmann, dr’ Tifel, vor der Hütte auf dem Tisch ein unbehauener Stein, dr’ Mussolini. In der Hütte ob dem Lugitisch an der Wand ein verschlungenes Legföhrenkreuz mit der geschnitten Inschrift: „Im Kreuz ist Heil“, eine geschnitzte Holzfigur, „die Fee vom Obersee“ in der Ecke. Am Eingang zeigte der Hydrometer, eine kleine Astgabel, „ä schattiggwaxni Wysstannä, die Luftfeuchtigkeit. In den Fensternischen standen knorrige Holztrögli in Form verdreht gewachsener Legföhren, auf einem Felsblock in Hüttennähe befand sich ein kleiner Gemüsegarten, für die Milchlieferung waren einige Geißen zuständig. Emil war geist- und ideenreich, originell.   

Wenn dr’ Winter verbii isch - de bin ich grettätä.

Zum damaligen Nachbarn Pfarrer Herger: 
“a Hergott gläub ich - a Herger nit“.  

Seine Ehefrau, die in Erstfeld geborene Margrit Arnold, „z’Gebhartä“ gebar ihm sieben Kinder. Eines davon war Martin, der später bekannte Schweizer Bergführer. Frau Epp, d’Hittäwartänä“ wie man sie nannte, betreute im Erstfeldertal und später im Maderanertal jahrzehntelang einige Bienenvölker, war viel in ihren Allmendgärten anzutreffen und töpferte  mit großem Geschick  kunsthandwerkliche Motive. 

Margrit Epp-  Arnold, eine begabte Kunsthandwerkerin

Sie kannte den Arbeitsaufwand der Kröntenhütte ebenso wie ihren Emil, der alljährlich „seiner Saison“ entgegenfieberte und im Frühling in perfektem Telemark einmalige Radien in den Schnee legte.

Emil Epp, der leidenschaftliche Jäger

Vor und während der Jagdzeit war Emil nicht wieder zu erkennen. Jagdfieber. Nachts verliess er die Hütte, meistens kehrte er auch erst wieder nachts zurück oder  fehlte über Tage hinweg. Von der gleichen Stelle aus habe er über 50 Gämsen geschossen und in den besten Zeiten die Tiere in den Bärenzähnen an eine „Triste“ gelegt. Jägerlatein. Mit den Leibern erlegter Gämsen habe er den jungen Martin im Glatten Firn zugedeckt, als sie ein schwerer Schneesturm zum Biwak zwang. Doch wer Emil bei der Hochwildjagd an der Felsrouten des Krönten erlebte, das Gewehr im Anschlag zwei, drei Patronen zwischen den gepressten Lippen, der sah groteske, urmenschliche Jagdleidenschaft. Der Aufbewahrungsort seiner Jagdgewehre war ein doppelter Boden unter der Bettstelle im Hüttenwartszimmer, darin hatten genau drei Gewehre Platz. Sein Jagdglück basierte auf selektiven Sehen, seiner Treffsicherheit, (kei g’fähltä Schuss) sicherem Tritt und langer naturnaher Beobachtungen. Als er seine Vergänglichkeit spürte meinte er: „Heute würde ich nicht mehr soviele erlegen.“ Das Fleisch wurde für den legendären Hüttenhock verwendet: Italiener Polenta und Gemspfeffer. Eingelagert hatte er verderbliche Waren hinter dem Obersee in den Firnresten der Kröntennordwand. So ruhig wie er ein übervolles Weinglas halten konnte, so ruhig schoss Emil auch bei Schützenanlässen, an denen er dank seiner Nervenstärke beachtliche Kranzresultate erzielte.  

Geschossener Pfeil, gesprochenes Wort, versäumte Gelegenheit:
drei Dinge, die kehren nie zurück.  

Viele tausend Touristen erlebten unvergessliche Hüttenabende, denn Emil hatte eine besondere Art der Erzählkunst. Dazu gehörten sein Markenzeichen und das Ritual „Pfeifenanzünden“. Mit nerventötender Langsamkeit entflammte er die Zündhölzer – pro Abend dutzendweise -, derweil diese einzeln und brennend bis auf die Fingerspitzen abkohlten. In der Tabakdose sorgten fein geschnittene Strenzenwurzeln für das Feuchtklima.

Von alten Bergführern war die Rede, vom Bristnern und anderen Leuten, abenteuerliche und schauerliche Geschichten, hervorragend erzählt und witzig ausgeschmückt. Das Universalgenie Epp war ein hervorragender Holzkenner wie auch auf anderen Gebieten ein Naturtalent. Vermischt mit den Anlagen eines Intellektuellen und persönlichem Gedankengut erzielte Emil verblüffende Effekte. Unterstützt durch die Überzähligen kamen Episoden mit Seltenheitswert zustande. Dabei verzogen sich seine unzähligen Gesichtsfurchen zu einem unglaublichen Mimik- Repertoire. Und wenn der Miggel in der Wahl seiner Aussprüche keine allzu großen Differenzierungen mehr machte, nahm ihm dies von den Betroffenen selten jemand übel oder war deswegen nachtragend. 

 

 

Seine Ziegen würden im Winter von einer Frau gemolken, darum trage er dabei auch eine Fürscheibe. Nur mit „leeren Hosen“ käme da kein Spruz! Das „Ziegenmelken“ auf dem Hüttenvorplatz hatte eine besondere Handlung. Manchmal drehte der Melker Emil das Euter und dann traf der Milchstrahl einer der ZuschauerInnen.  Die hervorragenden Dia- Vorträge über seine Berge, über seine Kröntenhütte, das enorme Wissen über Fauna und Flora und seine träfen Ausdrücke waren ebenso bekannt und überwältigend, wie seine späteren  Veltlinertouren.  

 

Der Alkohol fördert die geistigen und sexuellen Kräfte in nahezu 
lächerlicher Weise- Miggel rupf dich zämä!  

Der Warentransport der Lebensmittel inkl. Wein, Marke Veltliner Triacca oder Schneckentaler in Flaschen mit Leergut-Retouren, erfolgte auf dem Rücken, darum wohl sagte Emil, er werde eine Gabälä fertigen, die sel­ber tragen könne. Oberhalb der Bodenberge hatte er als Zwischenstation für den Warentransport im „Hasenrütteli“ ein kleines Berghüttli gemietet, das seiner Familie während des Sommers als Feriensitz diente. Neben dem kräfteraubenden Warentransport, war das Holzen, Holzrüsten und Holzvorrat für den Winter anlegen im zähen, windverdrehten Legföhrenbestand arbeitsintensiv und „strengwärchig“, dazu kam das Kräutersammeln. Sackweise wurden diese gepflückt, später auf dem Tisch ausgelegt, sortiert, gereinigt und geschnitten, Resultat: alpine Teemischung „Made Epp Spezial“. 

Er allerdings trank frühmorgens Kaffee, starken, brandschwarzen Kaffe, „der müesch verlidä, susch’ bisch nit ä rarä“. Unterstützt durch unzählige Frondienstarbeiten wurde unter seiner Leitung der Hüttenanstieg durch den Geissfad neu erstellt, der Wegunterhalt war und blieb seine „Disziplin“. In den Kriegsjahren 1939- 40 erlebte die Hütte einen Erweiterungsanbau. Dafür wurde eine erste Transportseilbahn in den „Spitz Stein“, und von dort eine zweite gegen den oberen Geissfad erstellt. Noch war die abgebrochene Nordseite der Kröntenhütte nicht aufgemauert, als am 1. September die Kriegsmobilmachung erfolgte. Mit wenigen dienstfreien- und Frondienstarbeitern und dank den handwerklichen Fähigkeiten von Emil gelang es, -trotz früh einsetzender Schneefällen - die Bruchsteinmauer wieder hochzuziehen und den Rohbau Ende Oktober für den Winter zu schirmen. 1962 wurde er als langjähriger Rettungsmann geehrt und erhielt  vom CC das neu geschaffene Ehrenzeichen der Bergrettung. 1967, in seiner letzten Hüttenwartssaison, hatte Emil, der „Kröntenmiggel“ nochmals ein Umbau zu überstehen. Im Sommer und im Winter, in allen Wetterverhältnissen ist er x-über verschiedene Routen aufgestiegen, bei unsicheren Verhältnissen jeweils durch’s „Hutziloch“, um auf der Hütte zum Rechten zu sehen. Dabei hat er viel Schönes aber auch Unangenehmes erlebt, manchen Hüttenchef „überstanden“  und „allergattig“ Gäste beherbergt.   

Idealismus grenzt an Dummheit“ war seine Zwischenbilanz. 

 

Als eine Helferin für die Arbeiter beim letzten Kröntenhüttenumbau Käse zuschnitt, referierte Migggel: „Ich habe im Militär für 120 Mann gekocht und weiss scho, was ein Mann Käse frisst.

Siedend heiss gekochtes Wasser wollte ein deutscher Besucher: 
Nur vo einer Sortä retournierte Emil  

Die Mitglieder der Sektion Uto nannte er Utopisten

Wenn ihm jemand nicht passte setzte er noch eins drauf:  
Aus Kröten gibt’s wieder Kröten “ 

oder zu SBB- Angestellten:  hätte er „einä ä g'fähltä gha“ (Söhne) 
dann hätte er den auch „zur Bahn greiset“  

und der radikale Begriff 
LMa- Quadrat hiess: Läch mier am Arsch.

 

Doch, Emil war zu intelligent, als dass er nicht mehr wusste Er besaß ein feines Gespür und hatte eine sensible Seele, zitierte Goethe, verstand physikalische Formeln, rezitierte Nitsche und wenn alles passte, bekräftigte er dies en Francaise Epp. Nach seiner Hüttenwartstätigkeit setzte sich Emil noch lange nicht zur Ruhe, Strahlnen wurde seine Lieblingsbeschäftigung. „Ich gah nu ä paar Strahlä ga reichä“. Daneben war er bei seinem Sohn Martin in der Sidlenhütte oder anderswo in den Bergen anzutreffen. Ä’ Bärglimel“ wie er sagte, ein „Halbtagsphilosoph“ mit innerem Drang und stetem Bedürnis nach den Bergen, ein reifer Alpinerzähler. Und immer wieder der Hinweis, er müsst noch einiges aufschreiben. Zurück blieben Fagmente, lebendig geblieben sind die Erinnerungen.  

 

Vater Epp, witzig, den Schalk im Nacken, überlegt und doch zur spontanen, treffenden Reaktion bereit. Ein hervorragender Beobachter und Analyst. Tiefsinnig, nie oberflächlich, weder in Gedanken noch bei der Arbeit. Den Anderen so leben lässt wie er von Gott erschaffen ist. Er hatte ein hohe aber zurückhaltende Intelligenz. Nie verletzend. Bei Unrecht konnte er zum Vulkan ausbrechen. Er betrachtete sich immer als Element der Natur. Mensch, Wiese, Blumen, Berge, Wasser Sonne, Licht und Schatten waren für ihn eine einzigartige Symbiose, und er einer von ihnen.  Er zog das Leben mitten in den Naturelementen dem Leben intellektueller Kreise vor, ganz aus freien Stücken. Vater Epp war schon vor 70 Jahren ein Aussteiger, nie aber ein kauzartiger Einzelgänger. Man ist versucht  zu sagen, Emil Epp habe tausend Seelen in sich vereint. (Eintrag im Album)

Während seiner 56-jährigen Zugehörigkeit zur Sektion Gotthard des SAC hat Emil Epp nicht nur an über 200 Rettungsaktionen teilgenommen, sondern auch eine ganze Bergsteigerphilosophie und mit seiner langjährigen Erfahrung am Berg ausgeprägtes Naturverständnis vermittelt. Auch ohne die legendären Telemarks, bleiben die Spuren von Emil Epp immer mit der Kröntenhütte verbunden.   

Es wurde in meiner Seele zu eng in mir, sie hob die leisen Schwingen, 
flog hinauf zu Dir.

 Andenken an Emil Epp- Arnold, Bergführer, Skifabrikant und Hüttenwart.
geb.  am 18. Juni 1899 
gest. am 29. Okt. 1981

gewidmet von Sepp Huber

Die Natur formt den Menschen
-   das Schicksal meißelt sein Gesicht 
- das Glück malt es.

Sonne und Mensch- zuletzt ein Untergang.  

Man muss Freude haben am Leben - Willen zum Kämpfen - Mut zu Sterben.

(Zitate Epp)

41 Meter tief in der Gletscherspalte

Schweizer Bergführer erzählen
Orell Füssli Verlag /   7. Auflage 1969

Er war drunten am Fulensee beim Heuen, als Emil von der Hütte her Hilferufe hörte. In grosser Eile stieg er zur Hütte zurück, wo ihm ein erregter Basler Tourist schilderte, wie sein Kollege mit samt dem aufgebundenen Seil lautlos in einer Gletscherspalte des Glatt Firn verschwunden sei. So schnell wie möglich richtete Emil das notwendige Rettungsmaterial, und stieg damit hinauf zur Unfallstelle. Dabei traf er noch eine Touristenpartie an, mit den Engelberger Bergführern Kuster und Sohn. Zusammen erreichten sie auf dem Gletscher des Glatten Firns den gekennzeichneten Ort. Dort lag der zweite Rucksack vor einem gähnenden Loch. Nun sicheten die Engelberger den Hüttenwart Epp mit einem 40 Meter langen Seil in die Tiefe, doch Emil kam leer wieder nach oben. Das Seil reichte nicht bis zum Verunfallten hinunter, es musste verlängert werden. Beim zweiten Versuch gelang es ihm, den Verunfallten, der auf einer Schnee­brücke lag, mit der Unterstützung von oben aus 41 Metern Tiefe zu bergen. Nur dank der raschen und professionellen Hilfe überlebte der Mann, denn die Gletscherspalte zeigte sich unter dem Geborgenen immer noch als endloser Abgrund. Mit jenem Touristen hat Emil später noch man­che Tour unternommen. Er wurde eine Freundschaft fürs Leben. 

Sohn Martin Epp

Gekürzte Fassung   Aus: Das Erstfeldertal; copyright © byjohu