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Das Urnerloch

Erster Strassentunnel der Schweiz
 

Vor 300 Jahren: Das in den Fels gesprengte "Urnerloch" entschärft die Passage zum Urserntal.

Den Hauptgrund, die bisherige Brücke  (Twärrenbrücke) durch einen Felsdurchstich zu ersetzen, war die immer wiederkehrende Notwendigkeit, immer eine neu zu bauen. Noch 1707 riss eine große Überschwemmung die Twärrenbrücke weg und richtete an der Strasse und an Gütern großen Schaden an. Nachdem man anno 1700 die Lange Brücke am Eingang zur Schöllenen neu errichtet hatte, drängte sich für den Eintritt ins Tal eine sichere Möglichkeit auf. Auch die "gnädigen Herren von Uri" stimmten dem Plane zu.

Ein anderer Mann als Pietro Morettini kam für die Durchführung des Werkes nicht in Betracht. Er stammte aus Cerentino  in der Val Maggia, war indes in Locarno sesshaft und eingebürgert. Morettini war der Schüler des berühmten französischen Festungsbaumeisters und Architekten Vauban und betätigte sich als Ingenieur und Oberst. 

Der Durchbruch durch den Andermatter Kirchfelsen trug wohl dazu bei, dass er 1710 den neuen Plan für die Meienschanze ob Wassen entwerfen musste. Er starb im Alter von 47 Jahren 1737 in Locarno. Ihm bleibt das Verdienst, den ersten Felsentunnel an der Gotthardroute geschaffen zu haben.

Der Vertrag Urserens mit dem Baumeister Morettini über die "neuwe Strass durch den lebendigen Felssen" datiert vom 20. September 1707. Danach übernimmt der Ingenieur alles zu einem Pauschalpreis. Das Werk ist innerhalb von 15 Tagen anzufangen und bis zur Vollendung durchzuführen, damit man spätestens im Frühling 1709 ungehindert und frei passieren kann. Den Vertrag unterzeichneten Morettini und im" Namen des Thals Urssern" Johannes Russi. Es handelt sich wohl um jenen Johannes Russi, der 1700 - 02 Talammann war.

Das Werk forderte zwei Tote, von denen einer durch einen "Schutz" umkam, der andere hingegen wurde in der Schöllenen am Morgen tot geborgen.

Zu jedermanns Verwunderung beendete man den Felsendurchgang schon nach 11 Monaten Arbeit, 
um den 15. August 1708. 

Der Ingenieur hatte "groß Verdruss gehabt, den das Wärchkt ist schwär gewässen, dessen er nicht " vermeinte ". Die Kosten kamen viel höher als berechnet, nicht durch die Schuld Morettinis "ohne seine Müehe undt  Versaumbnuss".

Gemäss Vertrag wären es 1680 französische Taler gewesen, tatsächlich musste man 3080 Taler ausgeben. Damit Morettini wenigstens ohne Schaden wegkam, sicherten ihm die Urner 1400 französische Taler " als Trichkgelt" zu,  was Urseren zu zahlen hatte, das dafür die Zölle erhöhen durfte, bis die Auslagen gedeckt waren.

Gesamt  kostete der Felsendurchbruch 8149 Münzgulden oder Florin.

Quelle: Geschichte von Ursern, Bendediktinerpater Dr. Iso Müller, 1984; Bearbeitung: Sepp Huber