| Bergunfaelle |
| Erfroren auf dem Claridengletscher |
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Eine mysteriöse Bergtragödie ereignete sich am Pfingstsamstag, im Jahre 1954 im Claridengebiet. Der erfahrene Bergsteiger Emil Blatter (Name geändert) unternahm zusammen mit seiner Ehefrau Hedwig eine Hochgebirgstour auf den Clariden an der Grenze zwischen den Kantonen Glarus und Uri. Anderntags stieg der Mann allein ins Tal hinunter. Seine bergunerfahrene Frau hatte er in völlig entkräftetem Zustand ihrem Schicksal überlassen. Sie fand bei Sturm und Wind auf dem 3000 Meter hohen Claridengletscher den Tod. Emil Blatter wurde angeklagt. Glarner Obergericht: Der Angeklagte war kaufmännischer Angestellter in einer Gemeinde am Zürichsee. Seinen Lehrerberuf hatte er aufgeben müssen. Grund dafür war eine längere Zuchthausstrafe wegen schwerer Sittlichkeitsdelikte an Schülerinnen. Psychiatrische Experten schilderten ihn als «schizoiden Psychopathen mit unbeeinflussbarem, verschrobenem Denken. Für Bekannte war er ein «rücksichtsloser Egoist». Die Ehe seiner ersten Ehefrau, von der er vier Kinder hatte, war 1949 geschieden worden. Später starb seine erste Ehefrau "unter ungeklärten Umständen". ... Trotzdem begab sich das Ehepaar Blatter am Pfingstsamstag des Jahres 1954 erneut auf eine Bergtour, diesmal ins Claridengebiet. ... Planura Hüttenwart Zweifel: ... Nach stundenlangem Umherirren gab Blatter endlich ein Notsignal. Er liess sechs Rufe pro Minute ertönen. Heinrich Zweifel, der Planura-Hüttenwart, erwiderte die Signale mit Hornstössen. Da niemand antwortete, machte sich Zweifel mit zwei Leitern der Gruppe Uto auf die Suche nach den Verirrten. Als sich der Nebel ein wenig lichtete, sahen sie das Ehepaar in einer Entfernung von fünf-, dann sogar zweihundert Metern über dem Claridenpass. Auf die Rufe der Suchmannschaft entgegnete Blatter in schriftdeutscher Sprache: «Wer sind Sie? Wo sind Sie?» Darauf Zweifel: «Hüttenwart Planura.» Doch merkwürdig: Blatter setzte mit seiner Ehefrau den Weg fort und verschwand dann im Nebel. Da Zweifel keine Antwort mehr erhielt, nahm er an, die Touristen hätten die Orientierung wieder gefunden. Er stellte deshalb die Suchaktion ein. ... ... «Der Angeklagte liess seine Frau im Schnee qualvoll sterben», entrüstete sich der Staatsanwalt. Auf dem Weg zur Claridenhütte hätte Blatter seine erschöpfte Ehefrau auf den Skis mitziehen können. Dann wäre sie wahrscheinlich gerettet worden. ... ... Glarner Obergericht: ... Die Glarner Oberrichter lehnten zwar einen Freispruch ab, doch sie erkannten auch nicht auf vorsätzliche Tötung oder gar Mord. Blatter habe den Tod seiner Ehefrau nur fahrlässig und nicht etwa mit Absicht verursacht, meinten sie und verurteilten ihn am 18. April 1956 zu einer einjährigen Gefängnisstrafe. |