www.top-of-uri.ch 

Die Sage vom Boglikapuziner

Auf der Alp Bogli im Erstfeldertal erschien von früher von Zeit zu Zeit ein Gespenst. Es trug ein braunes, kuttenartiges Kleid, weshalb es die Leute Boglikapuziner  nannten. Gewöhnlich kam es von der Alp Wanneli her die in einer Mulde am Abhang des Geissberges liegt, stampfte im Boggli herum und betrat auch das Häuschen, tat aber niemand etwas zu Leid. Nach anderen kam es aus dem Gemäuer im Bogliberg. Einmal übernachtete daselbst der Riseler Jost sel. der alt Friedli und ein junger Bursche. Es hatte “ ä wiätigä Patsch Schnee gleit “ und immer noch fielen Schneeflocken vom Himmel. Als sie ins Bett gingen sagte der Riseler: “ Hinächt het’s doch gwiss am Bogglikapuziner d’Nasä drüss, usem Wannäli firä z’cho”. Aber wohl! Kaum geagt, war es schon da, stampfte ums Häuschen  herum und polterte an der Türe. Schlotternd zog der alt Friedli die Decke über den Kopf und jammerte: “ Ei, Herr Jesses, der Tyfel, der Tyfel. Hät­tisch dü nur nit gseit”. Ein anderes Mal, es lag ebenfalls eine Menge Neuschnee, spotteten die Knechte über den Bogli­kapuziner. Der Geissbub warnte sie und sagte, er habe ihn im Wanneli allzuoft gesehen auf einem Stein sitzen. Sie aber lachten und sagten: “ Ja, der tät äu nu ä chly blasä und chättä dur ds’ Boggli üfä “. Kaum war diese Rede zum Munde hinaus polterte er auch schon an die Türe und trat herein. Dem Geissbub, der auf dem Ofenbänkli schlief gab er so einen Blick, ging an ihm vorbei und trat ans Bett heran in dem die zwei anderen lagen, stützte sich mit den Händen auf den Bettrand, beugte sich vornüber und schaute ihnen ins Gesicht. Dann ging er wieder fort. Zuletzt liess mam den Pfarrer kommen, dass er das Bauernhäuschen aussegne. Während er die Segnung vornahm, sah man etwas wie eine grosse weisse Katze aus dem Häuschen heraus und gegen den Gaden laufen. Damit nahm der Spuk sein Ende.

Der gestohlene Alpkessel

In einer Erstfelderalp hatten sie einen heillosen Verdruss wegen dem Alpchessi. Jeden Winter wurde es ihnen gestohlen und sie konnten dem Dieb gar nicht auf die Spur kommen. Endlich ‘legten sie dem Dieb den Segen’ dass heisst, sie liessen ihn bannen, b’stellen, dass er mit samt seinem Raube musste stehen bleiben bis die Besitzer ihn selber befreiten. Jetzt hätten sie am nächsten Morgen früh vor Sonnenaufgang in der Alp sich stellen sollen um ihm den Chessel abzunehmen. Aber sie vergassen es. Als sie nun im nächsten Sommer die Alp bezogen, da stand der Dieb in der offenen Haustüre, steif und brandschwarz, das Welchessi auf dem Rücken. Sie betrachtenen und erkannten ihn. Wie sie ihn antasteten zerfiel er zu Staub und Asche. Gestohlen wurde ihnen nie mehr.                 

Der gespestige Hirte

In der Ellbogenalp geriet durch die Schuld des faulen Kühhüters ein Stier in eine Geissweide und in eine felsige Kehle, wo es ausglitt und zu Tode stürzte. Nachdem dieser Küher gestorben war, sahen ihn die Älpler eines Nachts in jener Kehle herumgeistern. Er trug den Stier bergauf. Schon war er mit ihm beinahe in der Kuhweide angelangt, als er ihm von der Schulter viel. Er trug ihn neuerdings durch das Tobel hinauf um das gleiche Missgeschick zu erfahren. Das dritte Mal reichten seine Kräfte nicht mehr aus um den Stier von der Stelle wegzutragen.  Hätte er ihn das dritte Mal bis oben an das Ende der Kehle in die Kuhweide gebracht, so wäre es erlöst gewesen. 

Der Jakobsee

Furt ist heute ein Ausstafel der Leutschachalp ob Amsteg, nach der Sage aber bildete es vor alten Zeiten eine Alp und konnte zwei Sennten erhalten. Eines Abends flog ein weisser Vogel über die Alp und schrie: “Furt, Furt ”! Die Alpschweine stellten die Ohren, horchten auf und in rasenden Galopp stürmten sie davon talauswärts. Nicht so die Menschen mit dem übrigen Vieh; sie blieben. Am zweiten Abend erscholl der gleiche Ruf. Der Senn des einen Sennten meinte, man solle doch die Warnung beachten und die Alp verlassen. Er wurde jedoch nur ausgelacht. Der dritte Abend, es war der Abend vor St. Jakobstag, brachte schwarze Wolken mit die sich drohend über der Alp lager­ten und wieder erschien der weisse geflügelte Bote über der Alp und schrie mit schauerlicher Stimme: “ Furt, Furt”! Der eine Senn liess sein Sennten zusammentreiben und verliess mit ihm und seinen Knechten die unheimliche Alp. Ein schreck­liches Gewitter brach los. Als sie auf Heitersbüel noch einmal zurückblickten, berstete gerade die Felswand ob der Alp und stürzte samt dem dahin­terliegenden Jakobsee krachend zur Tiefe und begrub die Trift mit Menschen und Vieh unter haus­hohen Trümmern. Seit jener Zeit heisst die Gegend Furt und ist nicht mehr nutzbar, den Stafel mußten sie auf eine andere Talseite

 verlegen.                                                                                                                             

Drei Steinsäulen

An einem Feiertag schossen drei Jäger am Bristen eine weisse Gemse und fanden, statt der Beute eine schöne Jungfrau die ihnen vorwarf:  „Ihr habt den Tag entheiligt und müsst hiefür bestraft wer­den. Wollt ihr lieber dreiKlafter in den Boden oder auf die höchsten Grate versetzt werden“? Sie wählten das letztere und wurden in Steinsäulen verwandelt, die heute noch auf dem Bristen, der Windgälle und auf der Krönte stehen. Alle hundert Jahre treffen sie sich und klagen.  

Das schatzhütende Gespenst

In Erstfeld, da wo der Altbach aus dem Tobel In herausstürzt, nicht weit von der Säge, ist ein furchtbarer Krachen und dabei hatte sich oft ein Gespenst bemerkbar gemacht. Es war ein scheußliches Ungeheuer, hatte Hinterbeine. Füße und Kopf eines Pferdes, Arme und Hände eines Menschen und spie Feuerflammen aus dem Maule. Einst wollten unerschrockene Män­ner an’s hin. Aber da wütete es furchtbar und schrie ganz besessen: “ Kommt nur, ich will euch in alle Winde zerstreuen”. Da holten sie den Pfarrer und einen Kapuziner. Einer allein wäre ihm nicht Mann’s genug gewe­sen. Diese zwei sprachen es an und erhielten von ihm das Geständ­nis es habe einen Haufen Geld gestohlen und dieses Geld sei in jenem Krachen versteckt. Wenn ei­ner das Geld hole und es dem Bestohlenen, oder einem Armen aushändige, könne es erlöst werden. Aber kein Mensch hat es je gewagt, das Geld zu holen. Endlich bannten es ein Kapuziner und ein Weltgeistlicher. Aber das hat etwas gekostet. Beide waren, als sie ihre Exorzismen beendet hatten ganz erschöpft und in Schweiss gebadet. Einer allein wäre ihm nie Meister geworden.                                                                                                                                                    

Geheimnisvolles Kapitel  

Einige junge Burschen von Erstfeld im Kanton Uri wussten, dass droben auf der Flüe am Eingang zum Erstfeldertal das “Michileneli“, die Tocher des Vestermichi, (Silvester Michael Huber), wohne. Eines Tages beschlossen sie, auf Brautschau zu gehen. Schon waren die drei Eidgenossen am Ziele angelangt und machten sich durch eigenartigen Gesang, das sogenannte “Breugen“ bemerkbar. Der Vater Huber war aber mit den wohlmeinenden Absich­ten aber keineswegs einverstanden und meinte es sei noch nicht an der Zeit für seine Tochter. Kurzum vertrieb er die nächtlichen Freier. Diese ergriffen die Flucht, wobei einer auf Weg und Steg nicht achtend, ins gähnende Tobel und in den tief unten rauschenden Altbach stürzte. Trotz eif­rigen Suchens war der Verunglückte nicht aufzufinden. In der Not seines Herzens ging nun das verängstigte Michileneli in Muotathal zu Dekan Schmid. Dieser gab genau die Stelle an, wo man suchen müsse und dort wurde die Leiche denn auch gefunden.      

 

Ds' Schopfämüeterli 

Auf der Schopfen im Erstfeldertal hat früher ein Gespenst sein Wesen getrieben. Ganz äs chlys Müeterli! An bestimmten Tagen traf man jeweils im Gaden zwei Kühe in einer Kette verwickelt an und es fand sich in jener Gegend nur einer der imstande war "mit-ämä b'sägnätä Zwick " die Kette zu lösen. De Familienvater daselbst wollte es nie dulden, dass einer seiner Söhne an einem Seelensontagabend herumschwärmten oder z'stubeten gingen. Nun geschah es einst, dass ein guter Freund in diesem Abend kam und den Sohn Vinzenz verzeckte. Die Mutter sprach letzterem noch zärtlch zu, er solle ja nicht ausgehen und drohte endlich den beiden " Susch bringt'ech de ds' Schopfämüeterli! Doch das Mahnen blieb ohne Erfolg. Die Burschen machten sich auf die Strasse. Nach einiger Zeit ging die Mutter ins Bett; um aber zu wissen wann der Sohn heimkomme hängte sie eine Trychel an die Innenseite der Haustüre. Aber wohl! " Nyt lang sig's gangä, da siget diä Purschtä wieder cho- und wiä. Mit sannt dr' Tirä siget sy i ds' Hüs innä! Dassäb Schopfämüeterli, das heig's bracht. Später wurde es in eine Fluh hinauf verbannt.

 

Nicht spotten 

Gibts Gespenster oder nicht, basta, spoten soll man nicht. Der Rieseler Josti im Bogliberg hat's erfahren. Der hat im Boggliberg gespottet über ein Gespenst, das Bogglikapuziner genannt wird. Aber wohl, nicht lange ist's gegangen und da kam's an die Haustüre, kam in die Küche und klopfte an die Stubentüre. Nur um zu zeigen, dass es sich nicht spötteln lässt. Dem alten Balz im Bodenberg ist's gleich ergangen. Er hat es selbst dem Lunzitöni erzählt.

 

Voraussehen 

Folgende Begebenheit, die eigentlich nicht zu den Sagen gehört, die ich aber doch mitteilen möchte, erzählte mir im Jahr 1926 der 53-jährige Alois Furrer, mehrjähriger Gemeindepräsident der grossen und sehr gemischten Gemeinde Erstfeld, ein gewissenhafter und durchaus nüchtern denkender Mann. Bekanntlich sind in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Aemmeten zu Erstfeld zwei Personen vom Blitz erschlagen worden. Nun, einige Zeit vorher schaute ich eines Tages an dieses uns benachbarte Haus hinauf. Ich war ein junger Bub und sass in unserer Wiese. Auf einmal ging der Balken im Firstkämmerchen auf, ein Mann schaute hinaus, der den Laden aufgetan hatte und hinter ihm stand ein anderer, mir Unbekannter, in schwar-zer Kleidung und schaute ebenfalls hinaus. Dann schloss sich der Laden und alles war wie vorher. Ich habe nie-mand gesehen zum oder vom Hause gehen. Ich wusste auch, dass zur Stunde kein Seelenmensch in diesem Hau-se war. Einige Monate nach dem Blitzeinschlag kam der Pfarrer in die Aemmeten, liess sich zeigen wie der Blitz in die Firstkammer und von da durch das Gebäude hinunterfahren war. Und genau so, wie ich es an jenem Tag gesehen, ging der Balken der Kammer auf, ein Insasse des Hauses, der ihn aufgetan, stand in der Öffnung und hinter ihm der Pfarrer, dem jener die Sachlage erklärte.

 

Ein Knecht

in der Kuhplanggalp zuhinterst im Erstfeldertal konnte es gut mit dem Teufel. Häufig schlief er am Schatten hinter einem Stein und dann kam jedes Mal der Teufel und wehrte ihm die Fliegen. Dänk mid'm Schwanz!

 

Spuk auf dem Hüttendach 

Von jeher hiess es, in der Alp Bärlibutz im Erstfeldertal "sig's nit s'übers" Einst übernachtete da eine Gesellschaft die in die Farnstreue gehen wollte. Aber wohl! Nach Mitternacht kam's. Wie der ärgste Hagel prasselte es auf das Hüttendach nieder

 

Der bestrafte Rahmdieb

Ein Geissbub, der an den Abhängen des Geissberges in Erstfeld die Ziegen hütete, hatte die sträfliche Gewohnheit, den Leuten in dem benachbarten Berggut Emmeten in den Milchkeller einzudringen und von dem Rahm zu naschen. Nach seinem Tode musste er in der Gestalt eines Kapuziners wandlen, und noch oft und viele Jahre hindurch hat man ihn gesehen im Milchkeller der Emmeten aus- und eingehen.

Müller, Sagen aus Uri   Aus: Das Erstfeldertal:©johu