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Die Bergführerfamilie  Zgraggen aus Amsteg
"ds’ Obergändlers  oder  „ds’ Karli- Breselers"

 

 

Wappen: geviertelt; 1. und 4. Viertel in Blau goldener Halbmond und Stern; 2. und 3. Viertel in Gold schwarze Dohle über grünem Dreiberg. Die Abbildung zeigt das Wappen der Linie von Landammann Josef Maria Zgraggen.

Name: Der Name Zgraggen leitet sich von den Gütern "zu Graggen" in Gurtnellen und von "Graggi" in Schattdorf ab. Der Fraumünster-Rodel erwähnt zu Schattdorf 1300 "ze Gracun" und 1321 "ze Graggen".

Das Historisch-Biographische Lexikon unterscheidet drei Linien: die Schattdorfer, Silener und Altdorfer Linie. Mit Landammann Josef Maria Zgraggen nahm ein Spross der Silener Linie im Schloss Rudenz in Flüelen Wohnsitz.Sohn Franz Xaver wurde ebenfalls urner Landammann und hatte im Schloss Rudenz Wohnsitz.

 

Wappen Zgraggen

1. Ambros Zgraggen - Tresch   (1825- 1904) 

Ambosius Zgraggen, Staatsarchiv URI

So dauerhaft wie Wachholderholz sei das Geschlecht Zgraggen und wenn man in Amsteg sei, solle man sich nach Bergführer Ambrosius Zgraggen umsehen, denn: „Wen da führet Ambros Zgraggen, dessen Weg hat keinen Haggen“. Dies schrieb 1856 der Schriftsteller Corrodi vom Ambrosius, der im Balmenwald von der Genossame eine Hütte gepachtet hatte und von 1873- 1883 auf Hüfiälpetli die alte Hüfihütte bewartete. Zgraggen gilt unbestritten als Pionier bei den Erstbesteigungen der Urner Berge. In seinem Führerbuch, das 1845 begann und bis 1895 verfolgt werden kann, ist eine grosse Zahl von allerbesten Zeugnissen eingetragen, sein Aktionsradius war grossartig. Von der Berninagruppe zu den Walliser Viertausender, vom Pilatus zu den Urnerbergen bis zum Calande, der Ruf als erprobter Meister der Alpinszene eilte Bergführer Ambros Zgraggen voraus. Seine Berufskollegen im Berner Oberland, im Wallis und Graubünden schätzten den Urner als tüchtigen und ebenbürtigen Führer. Allein im Kanton Uri zeugen über 20 Erstbegehungen von seiner intuitiven Begabung am Berg; Ambros Zgraggen war ein begehrter Führer und eine markante Persönlichkeit. Von Sury- d’Aspermont, ein Ingenieur und Freund von Ambros sagte:  „Wenn man mit Ambrosius ins hohe Gebirge hinaufstieg, so lernte man erst dort diesen einfachen schlichten Mann gründlich kennen. Es war eine Freude und ein Genuss, mit ihm Schwierigkeiten zu überwinden und Strapazen zu bestehen. Man fühlte sich so ruhig mit seinem festen sicheren Fuss, mit seinen klugen Anordnungen in den schwierigsten Lagen, seinen scharfen glänzenden Augen und seiner väterlichen Fürsorge für alle, die sich seiner Führung anvertrauten.“  

 

2. Josef Zgraggen – Walker, Sohn des Ambros  (1855- 1910) 

Vater und Sohn Zggraggen, der ehemalige Rütlipächtetr

Geboren in Silenen, später in Amsteg wohnhaft, etablierte sich der jugendliche Sepp laut seinem ersten Führerbuch schon 1873 als würdiger Nachfolger des bekannten Ambros Zgraggen. Das zweite Führerbuch endet 1908. Dazwischen liegen 36 Jahre und erstaunliche Führertouren, angefangen mit Windgällen- Düssistock- Gross Ruchen -Bristenstock- Clariden, Tödi- Sustenhorn- Schlossberg usw. Dann folgen Engagements ins Wallis, nachher lernte er die Segnes- Sardona- die Ringelspitze, die Glärnischgruppe ebenso kennen wie die Tessiner Berge. Das Jahr 1885 war für seinen Ruhm entscheidend. Zusammen mit dem Alpinisten C Seelig, der 1917 am kleinen Spannort abstürzte, brachen sie zu den Wagnissen der Dammagruppe auf, wo sie innerhalb von vier Jahren verschiedene Erstbesteigungen ausführten. Ein neuer Weg zum Sustenhorn gelang ihm zusammen mit A. Näf- Escher 1889 vom Voralptal aus. Die Kameradschaft mit dem Zürcher Industriellen August Näf- Escher führte ihn auf begehrten Schweizer Alpengipfel und sollte später für dessen Bruder Schicksal sein. In den 90- er Jahren findet man in Zgraggens Führerbuch:  Piz Bernina und Piz Roseg, Gr. Litzner, Verstanklahorn, Piz Buin, Fluchthorn, Linard, Fletschhorn Bortelhorn, Grand Combin, Pigne d’Arolla, Ewigschneehorn, Nesthorn, Blüemlisalp etc. Mit dem Engländer Davis war er als Leibführer auf vielen leichteren Berner Oberländer und Walliser Berggipfeln. Dagegen war er mit den UTO- Alpinisten Hug und Waltenhausen unter anderem auf dem Finsteraarhorn, Gross Schreckhorn, Jungfrau, Weisshorn, Zinal- Rothorn, Obergabelhorn, Dent Blanche, Monte Rosa und auf dem Dom. Der grosse, kräftig gebaute Zgraggen, so wurde er beschrieben, war ein gewandter Kletterer, ein tüchtiger Gletscherkenner, umsichtig, kaltblütig und immer gut gelaunt.    

 

Am 8. Juli 1901 war er wie mit seinen Gästen wie üblich mit frühem Tageslicht von der Konkordiahütte aufgebrochen. Für seinen Gast, Hans Näf- Escher, einem Bruder seines Gönners August, und den Walliser Träger „Minnig“ aus Betten war es die letzte Bergfahrt. Am Rottalsattel wurden die beiden Seilschafts- Letzten um acht Uhr von einer niedergehenden Eis- und Schneemasse getötet. Auch der Führer Sepp Zgraggen wurde zugeschüttet, kam aber mit dem Leben davon. Er empfand jedoch heftigste Schmerzen im Rücken und fühlte seine Glieder wie zerschlagen. Von da an war er nicht mehr derselbe. Erst vier Jahre später wagte er sich nochmals in der Berner Oberländer Region an Jungfrau und Finsteraarhorn. 1907 besuchte er auch das Wallis mit der Besteigung des Dom und des   Zinal- Rothorns zum letzten Mal. Der Unfall hatte Folgen, Josef Zgraggen, ein Pionier der Urner Berge, starb 1910 nur 55- jährig in Amsteg[1][21]. Die Grabrede hielt, so schreibt die Urner Presse, hielt einer vom Schweizer Alpenclub. Es war Professor Dr. C. Täuber, der Bergführer Zgraggens alpine Laufbahn würdigte. Mit seinem 1879 geborenen Sohn Josef hatte er bereits einen ebenbürtigen Stellvertreter.       

 

3.   Josef Zgraggen- Caluori (1879 -1951)   Sohn von Josef Zgraggen- Walker  

Selbst General Guisan pflegte nach dem Rüttliraport die Kameradschaft mit den Rütlipächter und seiner Familie.

Eine Tochter, Frau Annagret Feuillet- Zgraggen erinnerte sich an das Leben ihres Vaters, der mit vier Geschwistern in Amsteg aufwuchs und im Sommer als Geissbub bei seinen Grosseltern, erst nach Allerheiligen wieder in Schule musste. Schon 1895 durfte er als Träger seinem Vater in die Berge begleiten und Dr. Felix aus Wädenswil schrieb 1898, dass der junge Josef seinem Vater gleich, ein angenehmer und gefälliger Begleiter sei. „Er ist ein vorzüglicher Gänger, das Interesse an der Sache zeigt den künftigen Führer in ihm“. Dies war 1901 der Fall, wo er in Altdorf unter der Kursleitung des Zermatter Bergführers Hermann Sailer das Bergführerpatent 1. Klasse erhielt. 

Sepp Zgraggens Lebenslauf liest sich spannend. So war er einer der ersten Schweizer Skiinstruktoren und in seiner exakt aufgeführten Buchhaltung sind präzis die Beträge aufgeführt, die er vom Sportgeschäft Fritsch & Co. für seine Leitertätigkeit der Skikurse, unter anderem in Toggenburg, erhielt. Dann bildete er sich weiter und absolvierte erfolgreich eine Schneiderlehre. Doch der Berg rief weiter. Mit dem Kletterer Hans Rütter durchstieg er 1904 in wenigen Tagen die Tödi Nordwestwand, dritte Begehung; Piz Russein, Bifertenstock, Grosses und Kleines Spannort, erster Durchstieg der Schlossbergsüdwand von der Schlossberglücke aus, Grassen und Wichelplankstock, Höchster Fünffingerstock, Gwächtenhorn und Gross Sustenhorn. Dies steht in der Zeitschrift Alpina. In Zgraggen’s Buchhaltung heisst das: Mit Hans Rütter auf 11 Gipfel; Fr. 165.--. Neben vielen   Bergführertouren lauten Dutzende von Eintragungen: in das Tal; mit einem „Sessel (Sänfte)- einem Pferd oder einem „Englender“- auf Bernetsmatt über Golzernalpen oder Oberkäsern. In den Schlechtwettertagen hatte er als Schneider Verdienst. Eine „Kleidung fertigen“ kostete inkl. Fr. 15.-- eine Führertour hingegen brachte netto das drei- bis vierfache. So erzielte der bescheidene Zgraggen im Jahr 1901 bereits Fr. 10'899.90.--; unterzeichnet mit „Gott zum Gruss“ Josef Zgraggen, Bergführer und Schneider. 1905 ist er im Tal von Chamonix unterwegs. Eintrag: 6 Gipfel. Führende Männer aus dem SAC begleitet und führt er mehrfach auf den Montblanc, das Matterhorn, Weisshorn, Zinalrothorn, Weissmies, Dom, Schreckkorn, Dentblanche, Grand Combin, Lysskamm, Castor, Pollux, Geant, Grand Jorasses, Jungfrau, Mönch Finsteraarhorn, Wetterhorn, Fiescherhörner, Aletschhorn, usw. 

Da erstaunt seine Handschriftnotiz in Amsteg vom 25. April 1908 nicht:  „Süsses Herz Maria, sei mir Rettung & allen armen Sündern solle der Spruch gelten, geschrieben am Abend vor der Hochzeit - mit etwas schwerem Herzen.“ Tags darauf hiess er: Zgraggen- Caluori und fortan wohnhaft bei seinen Schwiegereltern in Altdorf. Doch nicht lange, denn 1911, wiederum im Montblanc- Gebiet unterwegs, erreichte ihn im Tal von Chamonix jenes Telegramm, welches sein Leben veränderte. Er war als neuer Rütlipächter gewählt worden. Reverenzen hatte Zgraggen erstklassige, dazu bekleidete er im Urner Bat. 87 den Rang eines Feldweibels und seine Frau, als Tochter des Peter Caluori- Senn, war aus dem gutbürgerlichen Milieu von Altdorf. Als Bergführer hatte er bereits soviel geleistet, dass er ruhig eine neue Herausforderung annehmen konnte. Als treuer Rütlipächter verwaltete er die Liegenschaft 37 Jahre mustergültig und der patriotische Feiertag des Rütlischiessens lag ihm dabei besonders am Herzen. Auf jene angenehme und konziliante Art wie er am Berg Erfolge erzielte, etablierte sich der Sepp vom Rütli zu einer bekannten Größe an den Ufern des Vierwaldstättersees. Selbst General Guisan pflegte nach dem Rüttliraport die Kameradschaft mit den Rütlipächter und seiner Familie. 1948 zog er sich auf das sonnige Morschach, in sein inzwischen erbautes Eigenheim zurück, wo er 1951 verstarb. Mit ihm erlosch die Bergführerdynastie der  bekannten Familie Zgraggen, der "Karli- Breseler.    (Bearbeitung: Sepp Huber) Quellen:Zeitschriften ALPINA/ Nachrufe/persönliche Dokumente/ Führerkurse in Uri/ Alpine Journal uvm.