Bergführer Michael Wipfli, 1875 - 1956

 

 

 

 

   

Wappen WIPFLI

Unter der Leitung von Hermann Sailer aus Zermatt absolvierte der 1875 in Seelisberg im Wipfli Haus geborene und nun in Silenen wohnhafte Michael Wipfli  1901 den zweiten Urner Bergführerkurs. Wipfli gilt als einer der ersten Skipioniere, indem er  an gewöhnlichen norwegischen Schneeschuhen Verbesserungen anbrachte und sie sozusagen hochgebirgstauglich machte. 

1902 teilte er seinen Berufskollegen mit, dass er damit die besten Erfahrungen gemacht habe. 1911 liess er seine Schneereifen beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum patentieren. Michael Wipfli betreibt den Bergsport überhaupt nach ganz anderen Anschauungen, berichtete die Gotthardpost und fügte bei: "Möge diesem intelligenten Führer auch das weitere glücken". Sein Patent trägt die Nummer 52732, die Patentschrift umfasst neben den Zeichnungen das Hauptpatent mit wissenschaftlichem Beschrieb.

Verheiratet war er mit Berta Zgraggen aus der Bergführerdynastie der "Dubel- Zgraggen" und führte neben seiner kleinen Werkstatt auch das Restaurant Winkelried in Silenen. Später baute er mit Johann Jauch, " des Küfers" im Dörfli in Silenen  ein Haus mit einer geräumigen Werkstatt und einem Lebensmittelladen. Ebenso war er Mitbesitzer der Treschhütte im Fellital, das er gemäss Amtsblatteintrag vom 1912 an den  Amsteger Wirt Josef Jauch verkaufte.

Nach seinen Erfolgen als Skifabrikant, zu seinen Kunden zählten damals die besten Schweizer Langläufer, glaubte Michael Wipfli an eine Zukunft in Kanada. Seine grosse Sammlung von Versteinerungen und Bergkristallen  schenkte der dem Kollegium Maria Hilf in Schwyz.  

Am 14. Juni 1913 verliess er mit seiner Frau und zwei Kindern das Urnerland. Doch Wipfli konnte in Übersee nicht an seine Urner Erfolge anknüpfen. Schliesslich arbeitete er in in einer Schiffswert in Washington, später zog er nach San Fransisco.  Obwohl er Mitglied der renommierten  "National Geographical Society" wurde, verlebte er nach einem erlittenen Unfall die letzten Lebensjahre im Pflegeheim Eichhof in Luzern, wo er 1956 nach einem spannenden Leben im  Alter von 81 Jahren starb.

Gotthard Post/ 10. Januar 1903: " Der Skisport, welcher in der Schweiz schon eine schöne Zahl von Anhängern und Liebhabern zählt, beginnt auch in unserem lieben Urnerländchen sich immer mehr zu entwickeln. Zwar betrachten unsere graubärtigen, wetterfeste Bergführer mit nicht geringem Misstrauen den "langen Schuh" und zweifeln stark an dessen Brauchbarkeit dieses neumodischen Bergbezwingers bei Wintertouren. In Amsteg ist es Bergführer Michael Wipfli von Seelisberg, der diese neue Art von Bergbesteigung studiert. Auf selbstgefertigten, sehr eleganten Skis hat der kühne junge Mann schon mehrere glückliche Exkursionen unternommen".